Fri, 03/29/2019 - 16:58

Monolog und Melancholie.

Der nächste Vortrag wartet schon: Das Tagungswesen braucht eine Reform

von Michael Lingner

Unter dem viel versprechenden Titel „Das ist Ästhetik!“ fand vor einiger Zeit der X. Kongress der „Deutschen Gesellschaft für Ästhetik“ anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung statt.

...Die rigide durchgetaktete Aufeinanderfolge von vielen gleich langen Vorträgen in einem möglichst knapp kalkulierten  Zeitrahmen war nicht nur freudlos und ermüdend, sondern vor allem auch unproduktiv...Denn den Zuhörern wird zumeist nicht mehr als ein zügiges Verlesen von ausformulierten Aufsätzen geboten...Für alle Beteiligten, ob Zuhörer oder Referenten bleibt letztlich nicht viel mehr als der olympische Gedanke übrig: ›Dabeisein ist alles‹...

Ist also der nicht nur finanziell betriebene erhebliche Aufwand für derart unkommunikative und suboptimale Veranstaltungsformate überhaupt gerechtfertigt? Ist es angesichts der eher ritualhaften Präsentation zumeist druckfertiger oder bereits veröffentlichter Texte vertretbar, dass die kostbaren persönlichen Zeitkontingente einerseits und andererseits die ebenso begrenzten globalen Ressourcen durch Vervielfachung des Verkehrsaufkommens mit seinen fatalen Folgen weiter besinnungslos strapaziert werden?...

 

Konferenzwebsite: http://www.dgae.de/kongresse/

in : FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, 27.3.2019 Nr. 73, Seite N4 Forschung und Lehre