ask23 > Johann Daniel Runge: An Carl Hermann Runge in Neu Brandenburg
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Johann Daniel Runge

An Carl Hermann Runge in Neu Brandenburg


Möller 219

An Carl Hermann Runge in Neu Brandenburg


Hamburg, den 5. Dezember 1810. #1
Mein geliebter Carl,
Dein Brief und Sachen vom 17. Nov. sind angekommen, und wir danken für alles. Otto hat sich in Gedanken viel mit dem gesandten Fleisch beschäftigt, von Herrn Otto war eine Gans gekommen - er war aber schon nicht mehr im Stande, davon zu genießen.
Ich bin in Schmerz versunken und weiß die Worte nicht zu finden, womit ich Dich heimsuchen muß, - daß es Gott gefallen hat, ihn am Sonntag um 1/4 4 Uhr Nachmittags zu sich hinüber zu nehmen und unsere Seele zu betrüben. Seine letzten verwirrten Gedanken, mit voller Liebe zum Leben, waren um euch, liebsten Brüder! Carl - war sein letztes Wort. Versinke nicht in Gram, liebster Carl.

Zu unserm hochgespannten häuslichen Zustande kommt, daß seine Pauline, die noch Kraft genug hatte, seinem Todeskampf seit Donnerstag Mittag mit uns und allen Freunden beyzuwohnen, Tags nach seinem Ende, Montag abend um 10 Uhr, von einem gesunden Söhnlein entbunden worden. Sie befinden sich nach den Umständen beyde wohl.
Diesen Morgen haben unsere besten Frennde den entseelten Leib zur Erde bestattet - ich hatte, weil ich gestern völlig abgespannt war, leider! nicht die Kraft, ihn zu begleiten. Doch ist mir wieder besser und das ist wegen meiner Umstände auch sehr nöthig, die durch die schrecklichsten Zeiten und die Vernachlässigung während Ottos Krankheit furchtbar zerrüttet sind. Gott kann mir nur durch Freunde aus der Noth helfen.
Wie sehr quält es mich, daß Jacob, um mich zu unterstützen, wohl die Kräfte Verliehren muß, Dir in dringenden Umständen hülfreich zu seyn!
Ich kann nicht mehr heut sagen, liebster Carl, die Last der Worte erdrückt mich. Grüße Deine liebe Frau und alle unsrigen mit dieser schmerzenden Botschaft. Bitte Ulrieken, es mir zu verzeihen, daß ich ihr nicht schreibe, weil ich - nichts mehr zu saaen weiß.

Dein und euer Daniel Runge

1 | Auszugsweise abgedruckt in den "Hinterlassenen Schriften von Philipp Otto Runge". Bd. 2, S.424.



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