Johann Daniel Runge
An Carl Hermann Runge
An Carl Hermann Runge in Neu Brandenburg
Endlich, liebster Carl, muß ich doch auf traurigen Gegenstand kommen, welcher uns izt Tag und Nacht beschäftigt, ich meyne die Krankheit unsres lieben Otto, der seit Freytag völlig daniederliegt und uns seitdem mannichfaltig Angst und Wehe gemacht hat. Izt scheint es zu bessern, er hat heute einen recht guten Tag, dies kann aber eine bloße Täuschung seyn, da ihm diese Nacht ein künstlicher Schlaf verursacht worden, der ihn jedoch sehr erquickt hat. Es wachen nächtlich gute liebe Freunde bey ihm, und daß ich und Pauline wenig Ruhe genießen, kannst Du Dir leicht denken. Seine Krankheit ist aus einem Brustübel, das von Lungengeschwüren herrühren mag, und aus einer Nervenkrankheit complicirt. Wir hoffen, das letztere, als das weniger Bedenkliche, werde die Oberhand gewinnen. Sein heutiger Zustand ist wirklich erfreulich. Man hat mir sehr angelegen, an euch, lieben Brüder, zu schreiben, damit in diesen traurigen Umständen jemand von euch zu uns käme. Ich wage es nicht, darum zu bitten, da die Jahreszeit sich eurer Geschäfte wegen so übel dazu paßt. Auch kann ich mich nicht davon überzeugen, daß ein schlimmer Ausgang wahrscheinlich sey; dieses ist in guten Stunden auch Otto's Meynung, und der Arzt scheint Hoffnung zu zeigen. Ich kann es euch nur überlassen, was ihr darüber unter euch beschließen wollt, deswegen habe ich es auch an David geschrieben, dessen weiche Natur aber von der bloßen Vorstellung sehr leiden dürfte. Adieu, liebster Carl, und grüße die Deinigen. Die ewige Liebe stärke uns, daß wir nicht müde werden, alles zu ertragen. Meine Gesundheit ist übrigens die allerbeste und ich werde es wahrscheinlich wohl aushalten Dein J.D. Runge.
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