Johann Daniel Runge
An Carl Friedrich Bassenge
An Carl Friedrich Bassenge
Sehr werther Herr und Freund,
Da mein liebster Bruder sich entschlossen hat, Ihnen seinen Antrag in der redlichen und ernstlichen Absicht, die Ihnen bekannt ist, zu machen, so hat er mich nicht allein ersucht, sondern ich fühle mich auch selbst angetrieben; gestützt auf Ihre mir werthe Bekanntschaft, und auf die Güte und Freundschaft, womit Sie mich aufnahmen; seine Bitte zu unterstützen, und Ihnen zu sagen, daß es auch mir zur größten Freude und Befriedigung gereichen würde, wenn Sie, wie ich hoffe, den Wunsch seines Herzens erfüllen werden.
Mein Bruder ist Ihnen durch Umgang und Anwesenheit mehr bekannt, als ich selbst; und es würde mir also nicht anstehen, zum Vortheil seines Betragens, und seiner Gesinnung selbst, sprechen zu wollen. Auch bin ich freylich, wie ich mit Stolz und Freude bekenne, ganz und gar und in allen Stücken partheyisch für ihn, und wenigstens so sehr, als ich es für mich selbst nur jemahls seyn könnte. Lassen Sie es sich gefallen, daß ich statt alles Lobes seines Herzens und seiner Eigenschaften, nur die mehr noch als brüderliche Liebe und innige Freund schaft bezeuge, mit der wir an einander hängen, und die mir es leicht und angenehm macht, alle meine Kräfte zu seinem Wohl anzuwenden und aufzuopfern.
Ob ich aber auch voraussetzen kann, daß ein Name, und vorzüglich der unsers geliebten Vaters Ihnen bekannt genug seyn wird, um auf unsre Betheurungen Werth legen zu können? Ich will hoffen, und darf dieses Gottlob! auch, daß die Erkundigungen, die Sie deshalb einziehen werden, Sie befriedigen möchten.
Es braucht also nur, daß ich Ihnen die Versicherung mittheile, daß mein Bruder, nach meiner und aller kundigen Männer und Freunde Einsicht, über sein Fortkommen beruhigt und unbesorgt seyn kann.
Seine Fortschritte und schon beträchtlich ausgebildete Talente in seiner Kunst müßten dort bekannt genug, und auch für Ihr Urtheil auffallend seyn. Auch fühlt er seine Kräfte hinreichend, um die Reise nach Italien, wenigstens für erste, aufgeben zu können. Sein und mein herzlicher Wunsch ist, hier in Hamburg zu leben, wo es mit wirklichen Fähigkeiten und redlichem Fleiß nicht schwer ist, seinen Unterhalt zu erwerben. Er wird Ihnen seinen Plan vorlegen können, wie er dieses hier möglich und gewiß zu machen denkt; und ich kann Ihnen nur sagen, daß ich diesen mit Zuziehung inniger erfahrener und verständiger Freude geprüft und richtig gefunden habe; er hat sich entschlossen, sich grade demjenigen Theil der Mahlerey zu widmen, der anziehend und von Eindruck ist, auch zu den Bedürfnissen einer großen Stadt gehört. Es nähren sich manche davon in der That reichlich hier, die grade nicht alle von den geschicktesten sind. Dazu kommt, daß mein Bruder mit dem Ort bekannt ist, und sich der Liebe und Freundschaft von Männern, deren Empfehlung zukommt, zu erfreuen haben wird. Freylich wird die erste Einrichtung hier einen Vorschuß erfordern; aber er wird hier zu Brüdern und Freunden kommen, und nichts als Unterstützung seiner Absichten finden; auch wird er niemand in den Weg treten, und es ist kaum denkbar, daß eine Rivalerie entstehen kann. Wie ich glaube, daß ich schon eher mündlich Ihnen zu sagen das Vergnügen hatte, so dürfen Sie meinen Bruder in seinen oeconomischen Verhältnissen so betrachten, daß er mit mir, in dem Ertrage meiner Gottlob! blühenden Handlung, ganz gemeinschaftlichen Genuß hat weil ich nur für ihn zu arbeiten nicht zuviel gethan finde. Um aber die Sache auf einen ganz sicheren Fuß zu stellen, so will ich auch gern (und sein und mein Vater würde dieses schon ohne mich eben so lieb gethan haben) bestimmt 500 bis 1000 Rh jährlich zu seiner ersten Einrichtung aussetzen, bis er solche durch eigenen Erwerb wird entbehren können, welches im geringsten nicht zu bezweifeln sein wird. Sollten Ihnen noch nähere Erläuterungen wünschenswerth seyn, so will ich auch dazu gern das meinige thun.
Von der Ehre und dem Vergnügen, daß mir die Gewährung seiner Bitte in Hinsicht Ihrer und der Ihrigen schätzbaren Personen machen wird, will ich noch nicht sprechen. Ich empfehle mich Ihnen, Ihrer werthen Frau Gemahlin und lieben Töchtern mit achtungsvollem und ergebenem Herzen
J. D. Runge.
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