Friedrich August von Klinkowström
Von Klinkowström
An Philipp Otto Runge
Theuerster geliebtester Otto, ich habe dir meine große Schuld im Briefschreiben seit so langer Zeit abtragen wollen. Du kannst wohl denken, daß ich kein rechtes Herz dazu haben konnte, ehe meine Geldangelegenheit durch eure Güte sich einigermaaßen befriedigender zeigte. Dlle. Gütschow hat mir vor einigen Tagen gesagt, du seyst wieder vom Brustübel befallen, und ich sehne mich nach unseres D. erstem Briefe, um deinetwegen gute Nachrichten zu erhalten. Gott sey bey dir! Du weißt, wie ich an dich denke und was ich dir schuldig bin. Ich habe oft den schmerzlichen Anfall des Gedankens zu überwinden, daß du meinetwegen besorgt seyn möchtest. Es darf aber kein Zweifel zwischen uns aufkommen; wir haben beide Leid und Widerwärtigkeit so viel auf unsern Wegen erfahren, daß wir wissen können, dieses sey ein Zeichen unsrer Zeit und die geistige Tendenz eines Jeden werde so verletzt. Ich habe, in der Hauptstadt der Welt, davon noch mehr erfahren, und natürlich kann der Wirbel, in dem man ist, von außen nicht zum besten erscheinen, aNein ich überwinde den eignen Unmuth darüber mit dem Dankgefühl, daß man durch Contraste nur zur deutlicheren Erkenntniß gelangt. Ich kann dir jetzt nicht mehr darüber schreiben, weil es dir unbequem seyn möchte. Ich möchte dir bloß sagen, daß ich zu dem Bewußtseyn gekommen und es in mir vergrößert habe, woran dir bey
mir gelegen ist, und daß ich darüber ruhig seyn möchte, daß du nicht besorgt oder ungeduldig meinetwegen zu seyn brauchst. Es ist allerdings ein Schicksal, daß du und D., ohne von den Früchten meines Hierseyns etwas zu haben, mit den Mitteln belastet werden. Für die Zukunft habe ich jetzt eine ziemliche Aus sicht. Graf v. Metternich hat meine Copie der Iardiniere für 30 Louisd'or gekauft. Ich hatte bey diesem Handel die Hauptspeculation, entweder gleich auf andre Auftrage, oder für die Folge auf gute Connexionen. Ich würde also in Rom alle Studien darauf richten, etwas auszuführen, und das übrige könnten meine sehr guten Verbindungen in Wien machen. Auch hat der Graf mündlich mich hoffen gemacht, wenn ich aus Italien an ihn schriebe, ein Bestreben für mich immer rege zu er halten.
Solltest du von hier noch etwas haben wollen, so schreibe es mir. Ich wollte dir mit Dlle. Gütschow farbige Glastafeln schicken, sie wurden aber nicht fertig. Ich finde dieses zu Farbenexperimenten sehr schön, besonders um den Charakter der Farbe zu erkennen, wenn man beym Sehen durch dieses Glas alle Gegenstände so gefärbt erblickt, und den Zustand, welchen die Farbe giebt, erhält. Sie sind nur unbeschreiblich theuer,
und unvollständig.--
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