ask23 > Friedrich August von Klinkowström: Von Klinkowström
Nr. 87 von 94 Ressourcen im Ordner por_07_bar
Blättern: << zurück || weiter >>

Friedrich August von Klinkowström

Von Klinkowström


2,407

An Philipp Otto Runge


Durch wunderlichen Zufall bin ich jetzt mit dem be
schäftigt, wovon wir lange gesprochen haben: mit den architektonischen Principien in der Vegetation. Ich habe seither man ches über die Erscheinung und die Principien gearbeitet, welche derselben zum Grunde liegen, und bin auf Resultate gekommen, die mir unschätzbar waren. Wie freute es mich daher, von einem Gelehrten, der auf ganz anderm Wege — dem factischen und der Kenntniß aller besondern Creaturen der unteren Naturreiche — dahin gegangen, meine Ideen bekräftigt zu sehen! Es ist ein junger wackerer Mann, Professor Vogt aus Jena, der mit Goethe viel zu thun hat und dich von daher kennt. Er ist
grade hier, um die Blume seiner Wissenschaft, die Kunst, zu studiren, und bringt in der Naturkunde, Staffel der untern Reiche, die Materialien mit, um den Gipfel zu erreichen. — Wenn wir einmal in dem Zeitalter sind, wo aus der geläuterten Idee alles herkommen soll, so ist die Arbeit nicht vergebens, den Sinn des Bildlichen in seiner Höhe und Tiefe zu bestätigen. Ich werde dir weiter darüber schreiben. — Er hat mir gar in den
Kopf gesetzt, eine Anstellung zu suchen. Da ich aber dafür um so mehr eine Reise nach Italien vorher abgemacht haben, und fertiger im Practischen werden müßte, so lassen wir es bis da hin anstehen. Ich habe guten Muth. Das Leben, welches mit dem geoffenbarten Wort der Geschichte, und allen Empfindungen hieraus, stimmt, das den Grund meines Treibens ganz bestimmt in sich faßt, das tröstet mich über alles, was da kommen
kann! — Es ist und bleibt im Allgemeinen hier eine sehr schlimme Zeit für den arbeitenden Künstler. Die Galerie ist noch geschlossen. Ich arbeite in den Antiken und Kupferstich - Cabinetten. Für ein bestimmtes Studium sind hier unendliche Materialien und der Drang tritt sehr nahe, sich einmal zum Innerlichen zu wenden. Das Zeichnen fehlt mir immer am mehrsten; und wenn man auch die einfachsten Principien der Construction im menschlichen Körper fände (wofür Dr. Koreff hier bestrebt ist), so wäre für Idee und Arbeit viel gewonnen. Ich hoffe einige bedeutende Resultate.
— Neulich ist hier eine Privat-Gemahldesammlung eröffnet, welche besonders an altern Bildern merkwürdig ist. Ein weibliches Portrait von Cimabue aus dem dreyzehnten Jahrhundert giebt ganz vollständig die Definition von der Mahlerey, daß Feinheit des Stoffes und zarte Schattenverhaltnisse nothwendig ein durchaus geistiges Wesen geben müssen. Die Umrisse sind scharf durchwürkend, und das Ganze hat bey dem strengsten Charakter zugleich eine Zierlichkeit von Porcellan (wozu der Stoff, Holz, durch den Farbenschmelz, als edlere Verglasung, erhöhet worden). Nichts von kindischer Faseley unsrer romantischen Kunstkenner. Das Bild ist so vortrefflich gezeichnet, so streng physiognomisch gehalten, daß die tiefste Wissenschaft dem feinen Glanz zum Grunde liegt; und überhaupt hart und fein besser besteht, als weiche Faseley. Wie zuwider ist der wahren Beförderung des Herrlichen jener Mahrchenkram, der auch in Kritiken sein Unwesen treibt, und Lehrlinge zum Popey einer schwachen Frau macht, — anstatt daß Krystallsaulen die starke Sache halten sollten! —


Alle Rechte vorbehalten.
URL dieser Ressource: http://ask23.de/resource/por/por_07_bar_1810_01_26
Das ist die Originalversion der Ressource: Verfügbar gemacht von christiane am 2010-12-13, Hashwert da39a3ee5e6b4b0d3255bfef95601890afd80709