Friedrich August von Klinkowström
Von Klinkowström
An Philipp Otto Runge
Geliebter Freund, wie soll ich dir die Freude ausdrücken, welche mir euer freundschaftliches Anerbieten eines Vorschusses auf mein Bild verursacht hat! und du mußt es wohl vermuthet haben, daß ich diesen Vorschlag gern annähme. Es ist also so weit gewiß, daß ich nun Mitte Octobers von hier ab gehe, und dich wiedersehen werde, welches mich besonders freut.
Die Adressen, welche ich in Hamburg erhalten könnte, sind mir sehr wichtig, indem einiger Anhalt in Paris mir nützlich seyn möchte. Ich war gestern mit Kosegarten hin, um ihm meine Copie zu zeigen; da er aber keine Lorgnette hatte, konnte er das Bild gar nicht sehen, außer ganz nahe einen kleinen Theil.
Es schien ihn indeß zu rühren, und er machte viel Wesens da von, daß es fort solle, und für so geringen Preis, als ich es, um nur zum Zweck zu kommen, geben will. Allein wer soll es hier bezahlen und mehr dafür geben? Es scheint, er über legt dieses mit Quistorp, aber was wird es helfen? - Hast du auf deinem Zimmer auch genug Abstand dafür? Um es vor theilhaft zu sehen, muß es durchaus in einiger Weite, und besonders in völliger Ruhe umher und eingeschränkter Beleuchtung
gesehen werden; denn es ist selbstleuchtend und strahlt in Farben wie ein Diamant, wenn es ungestört ist. Ich habe wohl am meisten die Erfahrung machen können, daß der Eindruck allein in der Ruhe von Gegenstanden umher, wie in dem Gemüth des Menschen davor, rein ist: alsdann die stille Freude, und das geheime Leben des Bildes erscheint. Ich lebe der unaussprechlichen Hoffnung, dich bald zu umarmen.
Alle Rechte vorbehalten.
URL dieser Ressource: http://ask23.de/resource/por/por_07_bar_1808_09_03
Das ist die Originalversion der Ressource: Verfügbar gemacht von christiane am 2010-12-13, Hashwert da39a3ee5e6b4b0d3255bfef95601890afd80709
