Friedrich August von Klinkowström
Von Klinkowström
An Philipp Otto Runge
Liebster Otto! Ich schicke dir einliegend einen Auszug aus Goethe's Programm, nämlich das, was dich betrifft. Es ist mir eine Freude gewesen, es zu lesen, und ein größeres Vergnügen, cs dir zu überschicken, da du durch das Ausbleiben von Daniel's Briefe vielleicht noch nichts davon weißt. Die Unzulänglichkeit dieser Weimarschen Erwähnung stellen wir bey Seite; im Ganzen ist es dir doch sehr nützlich, oder könnte, däucht mir, dir sehr wichtig als Einleitung zur Herausgabe der Radirungen selbst werden. Ein begleitender Commentar wird dir je langer je schwieriger erscheinen und ist es auch; und solltest du, wegen deiner verbesserten Ansichten der Bilder, die Herausgabe zurückhalten, so thust du dem Publicum zuviel Ehre an, das immer so genug daran finden wird. Ohnedies veranlaßt diese Aufforderung dich sehr dazu, du kannst dich öffentlich darauf stützen, und damit alles gesagt haben. Im Ganzen muß man den Weimaranern eine außerordentliche Geschicklichkeit bey so etwas zugestehen und die Höflichkeit, womit sie den Künstler behandeln, schmeichelt dem Lesenden die Sachen selbst an.
So ein sanftes Lüftchen dieses Programm von den Höhen der Kunst auch nur ist, so hat es mich doch erwärmt; besonders was dich betrifft. Es geht nun einmal jetzt nur wie unter dem Eise der geengte Fluß, und es werden ja bessere Zeiten kommen. Aber ich muß dir sagen, daß ich mit Freuden mir so überdacht habe, wieviel glücklicher du bist, als ich. Du hast doch würklich schon etwas gemacht; wer weiß, mit wie wenigem ein Menschenleben überhaupt bezahlt ist, und wie Viele sich mit der Erkenntniß, nie etwas erlangen zu können, begnügen müssen? Möge dies nicht mein Fall seyn, wie es mir oft vor kommt, und grade, wann mich die Ungeduld so wüthend anfällt.
Glaube mir, daß ich weinen kann darüber, wie tief ich gesunken bin, und was dieses Schicksal der Ohnmacht soll zu einer Zeit, wo der Baum seine besten Früchte tragen sollte und will. Warum der ungeheure Widerspruch in dem, was man nur kann, und was man will?
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