Friedrich August von Klinkowström
Von Klinkowström
An Philipp Otto Runge
Ich freue mich sehr, daß du nebst den Deinigen wohl bist. Ich stelle mir es manchmal vor, wie du in vielem Betracht jetzt glückliche Tage hast, und bitte dich, merke darauf, daß man oft unbewußt auf dem Gipfel einer Freudenzeit steht. Mir ist auch lieb, daß du mancherley Arbeit hast. Portraits sind keine gleichgültigen Werke, sie zu machen fördert gewiß zur Ausbildung der Individualität mit am mehrsten. Ich denke zwar sehr gerne daran, dich zu Hause zu sehen; doch wirst du auch so lange bleiben? Ich werde vor Schluß October's nicht kommen können.
Meine Arbeit werde ich am Ende durch einen Machtspruch nur für fertig erklären müssen. Wenn mir nicht so sehr um die Vollbringung dieses Werkes zu thun wäre, würde ich jetzt viel froher seyn, über den Nutzen, den ich wohl davon heimbringe. Allein es ist gar zu viel daran zu thun, und je mehr die Hexerey des Effects verschwindet, je höher steigt die Forderung der Virtuosi
tät des Pinsels, eine Schwierigkeit, die man zuerst mehr
übersieht. Seit dem 1. d. fange ich die Retouchirung an, und
geht noch alles ziemlich nach meinen Voraussetzungen, auch habe
ich würklich gute Hoffnungen; allein an Stellen kann ich sehr
matt werden. Heute habe ich zwölf Stunden am Kopf der Ma
ria gearbeitet und wie roh und sprachlos ist er geblieben! Mit
diesem sing ich leider jedesmal an, daher die Unterlagen immer
am schlechtesten gerathen sind. Allein wie gut es thut, Local-
farben zu sparen, sehe ich jetzt ein. Nämlich kräftig, eintönig,
aber transparent zu untermahlen, dadurch nehmen alle leicht dar
über getragnen Localfarben eine unfehlbare Verbindung an. Bald
werde ich mehr Freude daran haben, wenn es etwas mehr ein
Ganzes um einen Grad höher ist. Mir wird manchmal angst
wegen der Zeit. Und dann wird die Ueberzeugung bestimmter,
daß es beynahe Unsinn ist, ein solches Bild copiren zu wollen,
worin jeder Kopf so seclenvoll ist, daß ihn der Meister selbst
wohl nicht copiren konnte. Wie unsäglich froh werde ich seyn,
wenn ich fertig bin und es nur einigermaaßen gerathen ist! Ich
habe dann vielleicht die unverhältnißmäßigste Arbeit, die ich je
gemacht haben könnte, hinter nur! und es beginnt eine neue
freye Zeit, wo mein Weg gewisser und will's Gott! geebneter
seyn wird. Ich denke immer noch, nach Wien zu gehen, ob
wohl ich meinen Charakter in der Kunst nur auszubilden bemüht
seyn will und nach dem Studiren nicht mehr soviel frage.
Kosegarten's Kirche kann recht hübsch werden. Ich hatte diesen Sommer auch schon einen Gedanken wegen des Bildes darin; nämlich hier ist unter den Rafaelschen Tapeten das schöne einfache Bild, wo Christus im Kahn der Brüder Simonis fahrt und sie den gesegneten Fischzug thun. Es hatte sich füglich alla prima machen lassen und könnte bey einer gewissen rohen Größe einen guten Effect machen. Allein mir fehlt die Zeit; sonst hatte ich es gern umsonst machen wollen. Ich wünsche, daß du die Arbeit bekommst, mache es aber dir und den Leuten nicht zu schwer. Ich denke oft daran, wieviel Schuld jetzt die Künstler daran haben, daß die Kunst nicht mehr ausgeübt wird. Man macht wenig, mühsam, und für ungeheures Geld, statt daß man mehreres für weniger und also leichter machen könnte, wodurch es an sich selbst geistreicher, oder wenigstens anspruchloser würde. Liegt nicht unser Glück in der Arbeit? und also nicht im Gelde. Also viel zu arbeiten, das wäre die Sache. Es ist oft mein Streit mit Andern und ich fühle sehr, daß soviel Eitelkeit, Faulheit und Geiz dahinter steckt, daß die Künstler sich so kostbar machen. Wenn die Alten so gedacht hatten, wie hatten wir die unzahligen Werke von ihnen, von den köstlichen Cadinetsbildern bis zu den Wandgemahlden! >
Wann? wie? werde ich nach Rom gelangen? In her
Zeit des Strebens ist es doch wohl die Heimath des Künstlers, wenn ich gleich mehr als je denke, daß der Künstler die Welt in seinem Busen hegt.
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