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Friedrich August von Klinkowström

Von Klinkowström


2,308

An Philipp Otto Runge


— Etwas haftet wohl noch das würkliche Localübel der Hypochondrie bey mir, viel kommt aber von der schlimmen Richtung meiner Natur, und daher, daß mir bey Wunsch und Streben nicht das wahrhafte Glück wird, ein Kind meiner Kunst erzeugt zu sehen. — Doch es wird gewiß kommen. — Mit meiner Arbeit glückt es vielleicht mehr, als ich es selbst weiß, da fast Alle sich so erbaut davon finden. Ich freylich möchte um vieles die bisher daran verwandte Zeit zurück haben, oder noch viele Zeit vor mir, da ich bestimmt weiß, wie sehr viel besser ich es nun machen würde. Allein es ist würklich ein größeres Unternehmen, als ich dachte, und ich werde mit Noth diesen Sommer fertig, welches doch seyn muß; denn ich will und muß von hier. Die Untermahlung habe ich in achtzehn Tagen vollendet. Alle machten mich angst, ich würde nicht fertig; und so zuversichtlich ich bin, so geht dergleichen doch zu Herzen. Seit acht Tagen bin ich beym Uebermahlen, und rechne bis Mitte Augusts dazu. Die Untermahlung thut mir gute Dienste. Ich hatte alles in warmen Tönen angetuscht, um die großen Schat-tenmaffen, oder vielmehr Dunkelheiten, klar zu behalten; meine Lichtmassen dagegen stark impastirt. Ich habe die große Schwierigkeit, daß das Original auf weißem Gypsgrunde ist und die Untermahlung wahrscheinlich mit Asphalt angetuscht. Dessen wollte ich mich nicht bedienen, weil man mir vorgeredet, er stieße die darüber gebrachten Farben ab. Ich hatte nun darin keine Erfahrung und ahmte durch Mischungen von gebrannter dunkelgrünen Erde, oder Mitteloker, und dieses abwechselnd mit halb-gebranntem Beinschwarz ihn nach. Lezteres ist ein schöner Ton, der lichter und warmer als das gewöhnliche Beinschwarz ist. Die Untermahlung schien eher eine Zeichnung mit etwas Fleischtönen gehöht. Meine Uebermahlung wird ebenfalls noch ganz anders als das Original, da dessen eigentliche Schönheiten, Farbenspiel und Töne, ganz in den Retouchen bestehen. Manche Localfarben sind selbst unten ganz anders. Ich verspreche mir heimlich großen Vortheil von dieser Arbeit, an der ich zwar nicht so schrecklich angestrengt sitze, denn es halt sich nicht aus, und zu andern Arbeiten außerdem habe ich wahrlich nicht Kraft und Lust. Abends bleibe ich bis 7 Uhr; und bey schlimmen Partien verstecke ich mich Mittags; welches förmlich zu erlangen leider unmöglich scheint. — Ich lerne aber den Correggio erst recht würdigen. Welche unnachahmliche Charaktere! Und alles besteht in der Mahlerey! Welcher Geist des Lebens haucht daraus! Ich freue mich erst zu der Retouchirung. Allein wie erkenntlich muß ich auch gegen Eich seyn, und gegen dich, der du doch mittelbar die Veranlassung warst, daß ich Anleitung durch Eich's Methode erhielt! Nie hatte ich so eine Arbeit unternehmen können, und, wie wahr die Sache ist, sehe ich daraus, daß die mehr-sten hiesigen alten Practiker sagen, „sie möchten es doch auch einmal so machen!" so seltsam auch meine Arbeit hier erscheint. Ich lasse mich aber gar nicht in's Demonstriren und Disputiren ein, da das eigentliche darin besteht, es herauszubringen; dann zeigt sich das Rechte von selbst. Es ist aber zum Verwundern, wie wenig Auge doch die meisten Mahler haben. Sie sehen von dem, was unter der Oberfläche liegt, nichts; wie können sie solche denn verstehen, da die Oberfläche nur durch das unter verursacht ist? — Es sind gewaltige einfache Elemente, woraus die große Würkung dieses Bildes entsteht. Die lezte Lasirung
ist mit klaren Farben und Glanzlichtern über das unten stark impastirte Fleisch, und im Gegensatz trübe über alle Nebengegenstände, so daß diese dadurch alle reflectirend werden und leise theilnehmen an dem Leuchten der Körperft'guren. In diesem lezten Hauch spielen die Farben der Wolken und Landschaft und
werden dadurch himmlisch subtil und viel schöner. Ueber der Engelgruppe liegt zum Theil ein Flor von Ultramarin. Das schwerste aber, oder das allein schwere ist die Mahlerey davon, denn wie sprechend diese seyn kann, das sieht man erst beym Coreggio. Dazu gehört denn freylich mehr Meisterschaft, als ich habe, um zu copiren. Allein ich hoffe denn doch, daß das Ganze des Effects in meiner Copie soviel enthalten seyn wird, um Mangel zu entschuldigen; und genossen kann das Bild über haupt nur in gehörigem Abstände werden.
Fridrich hat mir nach feiner Krankheit geschrieben, welche er, wie ich glaube, sich durch Aerger über die vaterländischen Angelegenheiten zugezogen. Wer nicht Beruf hat, Alle zu befreyen, der halte doch nur sich selbst frey, und wäre es so, wie jener die brennende Stadt verließ. Nichts ist zweckloser, als theilnehmend sich verlieren in das Nichts des Mitleidens. Entweder Alles thun, oder sich um nichts bekümmert. Es sollte mir leid thun, wenn er nicht mit dir nach Rügen käme, da es dort gewiß recht für ihn Gegenden sind. Dich beneide ich um die Reise und denke sie im Herbst auch zu machen. Ich bin im Pfingsten in der Sachs. Schweiz gewesen mit Buchh. Campe aus Hamburg, durch Perthes an mich gewiesen. Daß die Landschafter nicht mehr auf dem Lande zubringet, ärgert und wundert mich. Grüße gelegentlich alle Hamburger. Euch hat wohl viel Unglück betroffen, und wer ist, dem es nicht noch widerfahren kann? Es ist jetzt nichts sicherer, als was man kann und ist. —



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