Friedrich August von Klinkowström
Von Klinkowström
An Philipp Otto Runge
Zu deiner Reise und vorgenommenen Arbeiten wünsche
ich dir von Herzen Glück. Meine Frage wegen der Zeichnungen zum Dssian hast du aber doch, wenn auch nicht im gemeinen Sinne dieser Redensart, übel genommen. Ich wollte nur wissen, ob du die Darstellungen als Vorgange genommen, und die Scene mehr oder weniger anspruchlos in die Landschaft leg test, oder ob du, wie sonst, durchgängig bedeutende Compositionen gemacht, welche leichter mißverstanden werden, da die Ordnung des natürlichen Verhältnisses der Dinge darin beseitigt
wird? welche Natürlichkeit doch meiner Meynung nach den Eingang in ein Werk leicht macht, dem Ungeübtesten die Erkenntniß eröffnet. Mit Classificiren befasse ich mich zwar nicht, doch hat ein Kind seinen Namen, und jedes Ding seine Eigenschaft zu schiedlicher Erkenntniß. Daß dir mehr Thätigkeit bevor steht, freut mich besonders; sie ist unser Zweck, macht unsre Zufriedenheit am Abend, und ich bitte Gott, die äußeren Hindernisse von mir zu nehmen, auf daß meiner Sehnsucht nach dieser Frucht ein Genüge geschehen möge. Du deutest eine veränderte Richtung deiner Thätigkeit an; meynst du damit,
mehr Aufträge zu suchen, so finde ich darin nicht wenigeres oder schlimmes und wünsche dir herzlich Glück dazu. Schreib' mir bald das Weitre darüber. Fridrich wird ziemlich zugleich mit dir in Pommern eintreffen, da er vorgestern von hier abgegangen ist. Es freut mich, daß seine Arbeit dir so gefallen hat.
Er hat auch auf die Ausstellung einen sehr hübschen Mondschein geliefert. Grüße ihn zum Willkommen im Vaterlande von mir.
Ich freue mich recht herzlich auf den Herbst, weil da meine Unternehmung (Copie der Nackt von Corregqio) ausgeführt seyn wird und sich dadurch die liebsten Aussichten mir eröffnen. Die Meinigen werden auch Freude und Beruhigung davon haben, denn, wenn sie das Bild sehen, fällt jeder Gedanke an meine
Mühe und Arbeit weg und die Freude über das Bild selbst be weiset meine Bestimmung für die Sache. Ich hoffe zu Gott frohe Tage alsdann, auch bist du dann noch im Lande. Meinen fernern Weg werde ich bis dahin bestimmter überlegen. Morgen ist der Tag, an welchem ich mein Werk beginne; bete für mich. Für so schwer, als es verschrieen ist, kann ich es nicht halten, aber die erforderliche Geschicklichkeit ist es, welche die
Schwierigkeit macht, nicht der mystische Effect. Ich denke nach und nach so die Gunst des Inspectors zu erhalten, daß ich Mit tags auf der Galerie bleiben kann, um, wo möglich, bis zum Herbst noch etwas andres zu machen. Wie es mir damit geht, werde ich dir nachher oft erzählen. Freudig und zuversichtlich gehe ich daran, ohne Uebermuth, und hoffe würklich alles Gute davon, wenn Gott mir Gesundheit schenkt. Wie schmerzlich sind
mir die vorigen Zustande von Schwachheit, Trübsinn, - wo
Gottes Gnade mir so unverdient zu Theil geworden; und nun, ohne daß ich noch etwas kann, sitze ich vor solch einem Bilde, um es zu copiren, und es reihen sich die schönsten Hoffnungen meines Herzens daran! Dennoch verlassen mich die Krankheitsqualen noch nicht ganz, denn meine Hypochondrie war würklich Localübel. Fridrich's Abwesenheit wird mich verlassener machen,
da er mein einziger noch übriger Umgang war. --
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