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Friedrich August von Klinkowström

Von Klinkowström


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An Philipp Otto Runge


Eilig und unvollständig werde ich dir heute von etwas sehr wichtigem schreiben, und bitte, es Daniel und Perthes mitzutheilen, und um euren freundschaftlichen Rath. Meine bisherigen Briefe an die Eltern hatten traurigen und unmuthigen Inhalt, da ich schwach von Krankheit war und die Vorsatze meines Eifers so unerfüllt sehen mußte. Sie haben sich zu Hause deshalb Sorge gemacht, meine gute Mutter ist obendrein krank, und der Vater durch immerwährendes Mißverstehen meiner Carriöre nimmt meine Aeußerungen nun auch für Wankelmuth und tragt mir, wie schon öfters, eine Aenderung meiner Bestimmung an; er schlagt mir vor, durch den General in Oesterreich!-schen Dienst zu gehen. - - Man kann unsern Kunstbetrieb zwar auch nicht von dem Vorwurf reinigen, daß für ihn, sowohl was die bürgerliche Existenz, als seine andre eigentliche Bestimmung betrifft, kein Zeitpunct ist. Alles hängt mit Erwartung an den großen Resultaten der jetzigen Ereignisse für die Menschheit, und daher kann ich es meinem Vater auch nicht verdenken, daß er die Kunst noch kleiner ansieht und mir eine höhere Sphäre der Thätigkeit wünscht. Soldat zu seyn ist nun eigentlich mein Wesen nicht, allein wenn ich diesen Antrag eini-germaaßen in Betrachtung ziehe, so wäre es, um mich an den General zu attachiren, welchen Mann ich für mehr als Soldaten halte und dessen Interesse für etwas, das den Wünschen, die aus unsrer Gesinnung hervorgehen, entspräche. Nun habe ich zwar nichts als diese Gesinnung, die sich wohl über die Menschheit ausbreitet, allein die Kräfte und Materialien, welche in Charakter oder reichen Kenntnissen liegen, kann ich mir doch so nicht zusprechen. Ich will und muß indessen um meines Vaters willen etwas davon eingehen, und werde ihm deshalb schreiben, daß ich mich drein ergebe, wenn ich nämlich um des Generals Person einen Posten bekäme, wo ich nachher Aussichten haben könnte, eine andre Sphäre zu erlangen, welche mehr meinem Sinn genügte. Außer diesem aber Militair und gar Oester-reichischer zu werden kann ich auf keinen Fall annehmen, auch nicht mit der vortheilhaftesten Charge, wenn nach dem Kriege ein Garnisonsleben mein Schicksal würde. Zugleich werde ich schreiben, ob nicht vielleicht eine Anstellung im diplomatischen Fach zu erhalten stände; ebenfalls ein Gegenstand, welcher Aussichten zu guter Würkung darböte. Dieses wäre es am Ende, warum ich so etwas thun könnte, weil unser Wünschen und Streben doch nur der Menschheit gelten kann, wenn unsre individuelle Freyheit selbst dadurch bürgerlicher werden könnte. Im andern Fall, und obgleich man vor der Hand mehr Zeitungen lieset, als die Kunst studirt, möchte ich diese nicht fahren lassen, weil es doch ein verborgen freyes Leben mit dem Künstler ist und bürgerliche Aussichten dabey sich vielleicht noch finden. - Allein das werde ich vielleicht diesmal nicht durchsetzen können, da Zeit und Geld bisher ein zu ungenügendes Ziel erlangt haben, wogegen ich dem Vater nichts einwenden kann. Finde ich gleichwohl von dem großen Guten in seinem Vorschlage nichts, so will ich doch sehen, mich in der Kunst durchzuarbeiten, und das mit Verzicht auf vaterliche Unterstützung und durch ernsthafte Unternehmungen. Wenn die großen Angelegenheiten zum Schlüsse kamen, dann freylich wäre es Zeit, Künstler zu seyn. Auf ein bloßes bürgerliches Leben ist es von meinem Vater auch nicht abgesehen, daher ich mich denn auch um so williger finden müßte, wenn ich nur ein Kerl darnach wäre; aber ich bin würk-
lich eigentlicher empfangend als gebend. Mein Herz schlägt
für die allgemeine Sache unsrer Liebe und ich möchte, wenn es
so seyn sollte, solche bescheiden in der Kunst üben.


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