Friedrich August von Klinkowström
Von Klinkowström
An Philipp Otto Runge
Den 2. December. Herzensfreund, mit wenigen Worten will ich diesen Brief beenden. Ich freue mich herzinniglich der Erhebung, die ich mir von dir vorstelle, und Gott wird mir so gnädig seyn, mich dahin auch gelangen zu lassen. Gewiß meyne ich brüderlich mit dir dasselbe, utld drücke dich deshalb im Geiste liebevoller als je an mein Herz. Glaube mir, man kann sich an dem Heiligen recht vergreifen, und meine Krankheit war wohl daher. Religion ist wohl kein Außending, wohin die Pein und Bemühung der Buße führen müßte. Es wird auch schon wieder besser mit mir und habe Lust zur Arbeit. Die Zeit scheint die menschlichen Gefühle eines Jeden recht zu erfordern, und doch soll Jeder wohl in seinem Berufe des Geistes des Guten warten, und so seyen wir denn alle Prediger desselben. Darum will ich nach Kräften treu seyn im Ausharren, und mich nicht allzu bange seyn lassen um die Meinigen, welche im Schicksal mit erfaßt sind. Ich war nah' daran, zu Hause zu gehen, doch nun bleibt's wohl noch bis auf's Frühjahr, und wenn ich recht in's Arbeiten komme, so werde ich vielleicht künftigen Herbst anderswohin gehen, um es weiter zu treiben. Vorerst soll nun die Vortrefflichkeit der Theile mein Ziel seyn, bis mir die Erkenntniß des Gesammten der Kunst wird. Meine Bemühungen dahin waren bisher so frevelhaft als verderblich
und du fühlst wegen des Mathematischen ganz recht.
Laß uns seyn. Die Englander siegen in der Ruhe ihrer Eigenschaft so stets über das Thun der Franzosen.
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