ask23 > Friedrich August von Klinkowström: Von Klinkowström
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Friedrich August von Klinkowström

Von Klinkowström


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An Philipp Otto Runge


Was du von dem Zurückgezognen und der laueren
Stimmung andeutest, die du bey Manchem gegen dich bemerkest, beantworte ich herzlich, weil es mir zu wichtig in diesem Zeitmoment vorkommt, und mich mit trifft in dem, wessen ich mich oft beschuldigt habe. Es liegt im Wesen der Kunst, und so herrlich prophetisch geheim in dem Innern der bessern Menschen, daß vom Künstler Werke, — Thatsachen gefordert werden, und die besten Intentionen, fleißigste Beschäftigung, Arbeitsamkeit, als bloß solche für unzulänglich gehalten werden. Und diese Forderung, steigert sie sich nicht zur höchsten Analogie, wo sich das Verhältniß eröffnet von der Intention zur Schöpfung, wie von der Theorie zur Kunst? Es möchte das vielleicht im Wesen des Bildungstriebes beruhen, und also Weisheit und Vollkommenheit um so mehr Bedingung und Ziel für den Künstler seyn. Die Kunst ist die That einer Theorie, an deren Ahnungen oder Intentionen noch Generationen sterben können, und also auch wir, mit dem Bescheid, daß wir es nicht ausführen werden, oder ausführen können dürfen, und unsre Zunge zähmen, dem Dünkel wehren sollen, wenn wir nur kritzeln, was hier und da Eigenschaften der Vollkommenheit an sich trägt. — Wie soll ich hiebey zur besondern Beziehung auf unsre Personen kommen? Ich sage, daß wir jede Züchtigung solcher Art lieben sollen, durch Eitelkeit keiner Gattung unsre Arbeit in kleinliche Kreise beschließen lassen, wo die Kunst practisch Portrait, und theoretisch temporaire Poesie bleibt, sondern dem Fingerzeige dahin folgen, wo die wolkenlose Region bleibend ist, die festen Gedanken der Kunst sind, und alles, auch der Boden der Scene heilig ist. Ein Seyn dieser Art ist allen Menschen heilsam und angenehm, und wer auf der Leiter dahin stirbt, — nun der konnte nicht weiter. — Wir haben es gewiß sehr schlimm in dieser Zeit. Man wird entweder in die Schlaffheit der Gesellschaft
hineingezogen, oder geräth in die Spannung der isolirtesten Kräfte. Und die Werkstatt des Künstlers soll doch in einer Ruhe seyn können, die eben aus der Heiligkeit seines Gemachtes ge-würkt wird. Das empfindet insgeheim ein jeder; — was sind aber wir dagegen? und doch soll man thun, was man kann.
Kannst du dir es denken, daß ich es mir vorgenommen, weise zu werden? Dagegen sticht nun meine Albernheit und lumpiges Machen recht ab, wie Fratzen auf weißem Grunde; aber eben dieser weiße Grund ist doch schon eine kleine Wand zum Tempel, und bey dem Ernst der kurzen Zeit entfernen sich die schwarzen Fratzen mehr und mehr. — O die Gnadenwahl dieses Berufs, die zu ergreifen doch dem Schlechtesten und Kleinsten offen steht!, ist doch dem Menschen als Eigenschaft von so hoher Art gestellt, daß wohl die Zeit, wie Welle am Felsen, daran zerstieben muß!
— Im Zeichnen mühte ich mich nach mathematischen Con-
structionen, allein das ist ein luftig Ding, ich bin auf manchen Stein gestoßen und wir wollen es noch etwas beruhen lassen.


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