Friedrich August von Klinkowström
Von Klinkowström
An Philipp Otto Runge
- Ich schreibe dir früher, als du es erwartet haben wirst, allein ich habe mehrere traurige Gründe dazu. Besonders treibt mich dk Besorgniß, daß du oder P. von dem fürchterlichen Reisewetter krank geworden seyn könnten. Ich habe alle Stunden unzähligemal an euch gedacht, auch keine Nacht davor schlafen können und mir stets den Trost gewünscht, die Unannehmlichkeiten mit euch zu theilen. - Ich bitte dich recht sehr, mich so bald als möglich darüber zu beruhigen, ob ihr gesund angelangt seyd; diese Nachricht würde mir den ersten frohen Augenblick machen, seitdem ich dich entbehren muß. Uebrigens, mein lieber Otto, schreibe ich dir recht in der Noth meines Herzens, denn ich kann es dir wohl gestehen, daß ich mir eines solchen quälenden Zustandes, als den ich jetzt erleide, nie bewußt gewesen bin. Eigentlich bin ich betrübter über unsre Trennung, als ich es mir jemals vorgestellt hatte, und darum vielleicht lebe ich hier sehr verdrießlich. Und wenn ich auch an die Zukunft denke, so habe ich wohl manchmal guten Muth, auch zeigt sich mir wohl ferner ein schönes Land voll lieber Gestalten, allein mir ist doch eigentlich sehr angst, wenn ich mich so allein wieder in Dresden denke. Und dann kann mir auch alles so wehmüthig erscheinen, daß ich weinen möchte, wie ein Kind, das von seinen Liebsten verlassen worden ist unter fremden Leuten mit unverständlichen lieblosen Sprachen. Ich weiß wohl, worauf du mich verweisen wirst, allein ich meyne, du kennst die Angst der Erde nicht mehr. Nur dies Eine bitte ich, mein liebster Otto, nimm dies Ungereimte mit Nachsicht und Liebe auf und laß mit deiner Liebe nicht von mir ab. Ich werde sie hinführe nöthiger
brauchen als je. Vieles quält mich auch hier, so daß ich eigentlich hier und dort nicht mehr recht zu Hause bin. Hier bin ich geboren und als Kind auch ganz zu Hause, aber mein besserer Theil, oder meine Thätigkeit stiegt doch immer zu dem Wunders lande, wo der lebendige Brunnen quillt, und ich dich und alle Lieben spreche, und wir unter hohen Bildern wandeln. Es ist auch so in der Ordnung, daß der Mann, oder schon der Jüngling von Hause muß und suchen das Eine und Einzige. - Es freut mich unbeschreiblich, daß ich es dahin gebracht habe, daß die Eltern und besonders der Vater Zutrauen zu allen meinen ferneren Unternehmungen gefaßt haben, weil ich sie ganz mit bewahrtem kindlichen Gemüth beruhigen konnte. Du hast den Vater doch sehr eingenommen, und obwohl er dich nicht verstanden, liegt es ihm doch sehr am Herzen, und spricht er darüber
sehr oft mit mir. Ich habe es endlich dahin gebracht, daß ich den 31. dieses von hier abgehe; so bin ich den ?. Iuny in Dresden. Die Mutter ist sehr betrübt, da sie mich sehr liebt und viel Trost von mir zu haben glaubt.
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