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Johann Daniel Runge

Von Johann Daniel Runge


Möller

An Philipp Otto und Karl Hermann Runge


Lieber Otto und lieber Karl !
Der Ruhm eures guten Wandels ist bis hieher erschollen und wir, Eure Brüder#1 können nicht umhin, Euch hiedurch unsre von Herzen gemeynte Gratulation darüber darzubringen. Es ist auch kein Kleines, wie wir glauben, daß Euch eine solche Ehre wiederfahren ist, zumahl, da ihr Euren lieben Eltern und allen wohlgesinnten Gemüthern eine so herzliche Freude dadurch machet. Solltet Ihr jemals im Stande seyn, in ältern Jahren, wenn Ihr Euch klüger zu seyn bedünket, auf das glorreiche Zeugnis eines Lehrers, desgleichen es nicht viele giebt, und Eurer geliebten Gespielen als auf eine geringe und kindische Sache herunterzusehen, so würde es uns in der innersten Seele weh thnn. Ich halte dieser großen Undankbarkeit Euch nun zwar nicht fähig, man weiß aber doch nicht, wozu der Eigendünkel den Menschen verleiten kann. Wir hoffen auch, daß ihr schon durch die große Merite der Bescheidenheit allen Euren übrigen Verdiensten die Krone aufgesetzt haben werdet. Denn am Ende ist ein Band doch nur ein Band und von Gott kömmt alles, was an uns Gutes ist, daher wir ihm auch allein die Ehre geben. Auch ist bekannt, daß die Welt eben nicht nach Verdienst zu belohnen pflegt und mancher sehr ehrenwerth, bieder und gut, ja sehr groß und unsterblich seyn kann, der schlicht und schlecht genug aussieht und wohl gar nicht hat, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zweytens kann sich hinwiederum der Fall ereugnen, daß einer mit einem großen und goldnen auf dem Brustlatz herumgeht, der es im geringsten nicht meritirt, ja, was Gott abwenden wolle, der wohl gar eines schlimmen Epigramms an der Stirne würdig wäre. Mich kömmt hier ein Grausen an, lieben Brüder! es ist eine sehr unrechte Größe, die sich spreizt und flunkert und in der Leute Augen etwas seyn will. Weil denn die Welt nicht weiß, was Gut und Böse ist, so könnte man den Rath geben, sich nur um den Beyfall der Weisen und Guten zu bekümmern, damit man wissen möge, ob man auf rechtem Wege sey. Dieser Rath ist auch gar nicht zu verachten, nur, zu geschweigen, daß man sie dann erst kennen und zu finden wissen muß, so haben die Weisen und Guten auch nicht allemahl Ordensbänder auszutheilen und sind in dieser Zeitlichkeit gemeiniglich in der Klemme, daß sie genug für ihr eigen Haus zu sorgen haben. Es bleibt Dir denn gar nichts anders übrig, als stille für Dich zu seyn und Dich zu begnügen, wenn Du vor Deinem eignen Herzen Meriten hast. Das ist die Hauptsache und da wir wissen, daß es gute Herzen sind, so freuen wir uns über alle Maaßen und danken Euch selbst für Euer Gutes und Liebes und verharren
Eure getreuen Brüder
J. D. Runge und J. F. Runge.

1 | Der Brief stammt aus der Feder Johann Daniels und ist von seinem Bruder Jacob Friedrich nur mitunterschrieben.


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