Philipp Otto Runge
An Görres
An Görres
Ihre gütige Theilnahme an meiner Krankheit
hat mich gerührt und erfreut, und ich zweifle nicht, daß Sie mir hätten nützlich seyn können; ich glaube aber
mit Ihnen, daß die Krankheit zu individuell ist, und gewesen ist, um ohne nähere Bekanntschaft beurtheilt
werden zu können. DasNachgebliebene von dem heftigen Paroxysmus, in welcheln sich im Frühling die
Natur selbst half, kam erst zum Vorschein, nachdem ich schon sehr in der Erholung vorgeschritten war, und
so habe ich mich den ganzen Sommer über, der hier sehr schlecht für einen Kranken war, durchgequält, mit
einem fatalen Husten und schleichendem Fieber, welches nach und nach immer mehr nervös wurde, ein
Zustand, den ich nur von Hörensägen gekannt hatte. Zugleich bin ich mit immerwährenden Obstructionen
geplagt. Alles dieses hat sich nun seit etwa vierzehn Tagen in ein ziemlich regulaires Wechselfieber
aufgelöset, und ich hoffe das Beste davon. Sie werden es meiner Schreiberey ansehen, wie unsicher ich
noch bin; indes ist es nur noch von dem Fieber, und der immerwährende zitternde Zustand hat doch
aufgehört. Sie sehen hieraus, daß es mit meiner Krankheit langweiliger ist, wie Sie geglaubt, und Ihr gütiges
Anerbieten, zu Ihnen -(Der Brief bricht hier ab. Daniel Runge hat ihn nach Ottos Tod dem Adressaten
überrnittelt.)
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Das ist die Originalversion der Ressource: Verfügbar gemacht von christiane am 2009-10-22, Hashwert da39a3ee5e6b4b0d3255bfef95601890afd80709
