Philipp Otto Runge
An Klinkowström
An Klinkowström
--Ich war in der Arbeit und sehr gut im Zuge,
nun bin ich durch die plötzliche Ankunft Böhndel's aus Rom etwas unterbrochen, doch ist es mir nicht
unangenehm. Faber brachte ihn zu mir und ich finde in ihm den Ehrlichen, Treuen und Unbehülflichen
wieder, der uns in Dresden verließ, aber freyer und leichter in seinem Gefühl und nicht von allem andern
gedrückt, das auch etwas ist. Er hat nur wenig Zeichnungen hieher mitgebracht, dann einige Bücher mit
Veduten und eine Untermahlung von einem Portrait. Im Zeichnen ist er vorgerückt, im Mahlen hat er mehr
Fertigkeit in seiner Art, die er schon hatte, und haben die nothwendigen Naturgesetze in der practischen
Methode ihm nicht entgehen können und so scheint das, was ich treibe, ihn in Hinsicht seiner Art vorerst
etwas wieder unsicher und furchtsam zu machen. Es ist also die lebendige Sache in ihm nicht zur Manier
geworden, und ich suche in ihm wie in Faber nur den Blick für die ewige Naturnothwendigkeit in dem
wissenschaftlichen Theil der Kunst offen zu erhalten, wodurch ich den Vortheil erreiche, daß sie mich eben
auch gradezu auf die Irrthümer, welche bey mir aus der Abgeschiedenheit einschleichen, aufmerksam
machen; und so werde ich suchen, die freye Mittheilung Mann gegen Mann zu erhalten und wieder
aufzuschließen, wie ich es mit dir, mit Steffens, und allen unsern Freunden kann. Dann nimmt man sich
selbst nicht zu universell und die Begränzung der Eigenschaft bringt auch die Würksamkeit in ihre gehörigen
Schranken zurück . ---Lebe wohl. Gott gebe dir die innere unbesiegbare Freyheit des Geistes, und die Kraft
und Liebe seines Sohnes sey mit dir! Amen
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