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Philipp Otto Runge

An Maria Friederike Bassenge


An Maria Friederike Bassenge Hamburg den 5 Dec 1809

An Maria Friederike Bassenge


Liebste Mutter
Ich hoffe, daß Sie aus Ihrer Mannigfaltigen Noth und Sorge heraus sind und alle lieben wieder wohl auf sind. Mesmers Unglück hat uns sehr gerührt und wir bitte unsre Theilnahme zu versichern. – ich werde suchen Ihnen die 400 Stck. Austern zur rechten Zeit zu schaffen, da alle 8 tage hier welche kommen, so werden sie auch wohl gut zu haben seyn, wegen der gehörigen heimlichkeit adressiren wir dann alles an den Oncle.

Daß sie dort ihre Wälle hübsch und angenehm machen ist vieleicht gut, von den Ängstegeschrey der Mütter und Kinder werden sie aber dadurch nicht erlöst – siehe Spanien, Lübeck und Tirol – etc, es geht hier sehr schlimm und alle tage schlimmer, in Altona ist beschlag auf alle Speicher gelegt, alle waaren, die schon bey der Ankunft der Schiffe in Tönningen richtig befunden und herein Passirt sind, da sonst der Tod darauf steht, werden nun ohne weiteres noch mahl untersucht, hier darf nicht das geringste was von den beyden Indien auch kommen könte, weder herein noch heraus, selbst der Taback, der hier fabricirt wird nicht, so mit Cattun, etc etc #394 – und der friede wird uns noch mehr solchen Seegen bringen, dieses alles, wenn es auch noch weit schlimmer käme, könte uns inwendig nicht muthlos machen, wenn wir nur eine neue existenz, wirklich neue formen und einrichtungen haben sollten, allein die alten töpfe wo nichts mehr drinn ist werden uns gelassen und wir dabey hingestellt. so ist die sache liebe Mutter, und wir wollen uns keine täuschungen machen, daß der Friede irgend etwas gutes für uns hätte, der große Kaiser ist einmahl Herr geworden und was der beschließt, muß nun geschehen, es ist auch töricht dagegen zu wüten, sondern wir wollen suchen nur so viel gutes wie möglich von seinen Einrichtungen zu ziehn und den rechten Frieden in uns behalten. so wechselt nun auch Glück und unglück sehr ab und wenn das Glück gut ist, so kommen wir zu ihnen. sie wissen, wie man nichts versprechen kann in der Art.

Wir sind alle recht sehr wohl, es sind nur so entsetzlich finstre Tage, so daß man nichts sehen kann, die Kinder lassen Sie recht viel grüßen. Bernhardchen ist ein sehr hübsches Kind und will schon gehn, Mr:(aria) ist wieder sehr kugelfest und drollig und Siegmund macht sich auch recht heraus, daß man es nicht lassen kann, ihn recht lieb zu haben, er rührt sich innerlich sehr, so daß man wohl merkt, daß was an ihn ist, nur das lernen geht nicht besonders, Mad. Petersen #395 hat ihn auch in die Schuhle im rechnen, und wir sind recht sehr voll freuden über die Kinder und danken Gott dafür. Pauline ist recht wohl und hat etwas viel zu thun, deswegen kann sie nicht schreiben, es wird ihr bisweilen woll sauer, das ist aber nur sauerteig des lebens, der hineien muß, damit das Ewige leben darin aufgehn kann. – grüßen Sie alle lieben von herzen, von W(olgast) sollen wir auch grüßen. Hermann Müller seine Schwester Mühlheim ist Tod – sonst sind sie alle wohl. Perthes, Bessers etc grüßen alle.

Ihr Sohn Otto

394 Napoleon wollte durch die Festlandssperre Englands Handel tödlich treffen.

395 s. Anm. 389. (389 = Petersens waren die Hausnachbarn, mit denen man sich eng angefreundet hatte.



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