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Philipp Otto Runge

An C. F. E. Richter in Leipzig


2,388 27. September 1809

An C. F. G. Richter in Leipzig


---Ich möchte gern, du kämst einmal
her. So gut wie du nach Prag reisest, könntest du dies auch thun; du solltest schon bey mir ein Bett und
Stübchen finden, auch würde es für dich und uns alle sich sehr der Mühe lohnen, das gar nicht einmal
gerechnet wir uns in Hinsicht der Kunst einmal verständigten, und du einsähest, wie leicht du etwas dazu
beyzutragen im Stande wärst, oder nicht. Könnte ich halb so leicht reisen wie du, ich hätte es schon gethan.
Auch wirst du zu sehr verleipzigert, daß es eine Schande ist für einen freyen Menschen. -Ich schriebe dir
gern mancherley, aber wo soll ich anfangen, da uns Zeit und Unbekanntschaft mit dem gegenseitig en Leben
und Treiben ganz auseinander gebracht ? Glaube nur, die idealen Verhältnisse wollen frisch angepackt seyn,
wenn sie sich bequemen sollen, unter uns zu Wohnen; darum komm bald einmal reell her. Ich bin jetzt
dabey, ein Schriftchen über das Verhältniß der Farben zu weiß und Schwarz herauszugeben Es ist bloß eine
Construction der Figur dieses Verhältnisses, welche zu einer allgemeineren Ansicht der Farbe den Grund
legen soll. Die Analogie des Sehens, oder der Grunderscheinung aller Sichtbarkeit, mit der
Grunderscheinung des Gehörs, fährt auf sehr schöne Resultate für eine zukünftige Vereinigung der Musik
und Mahlerey, oder der Töne und Farben, und du würdest mir gewiß, als einem recht unmusikalischen
Subject, behülflich seyn können, manches nur noch Dunkle und ganz Unbekannte zu enthüllen.


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