Philipp Otto Runge
An Klinkowström
An Klinkowström
- - - Ich arbeite jetzt sehr eifrig an meinem großen Bilde (dem Morgen); ich habe den Grund angelegt, so bogenförmig Ç von Weiß in ein röthliches Grau; hierüber werde ich nun dünn Luft auftragen so º in horizontal gradlinigten Abstufungen in der eigentlichen Luftfarbe, damit die Wölbung der Untermahlung noch mitwürkend bleibt. Alles was sich aus der Helligkeit heraus nach vorne zu hinzieht, werde ich erst grau in grau anlegen, und bey der Uebermahlung die Farbe hineinspielen. Die ganze Behandlung ist mir sehr klar, und deswegen arbeite ich, während der Grund trocknet, daran, die hinteren in's Licht hineinkommenden Figuren in recht guter Gruppirung und Beleuchtung mit schwarzer und weißer Kreide mir aufzuzeichnen, womit ich nun meist zu Ende bin; dann gehe ich auf selbige Weise in der Zwischenzeit an den Rahmen. Es ist eine sehr große und schwierige Arbeit jedoch liegt mir die Totalität des Bildes jetzt so sehr im Sinn, daß mich dieses nicht zweifeln oder verzagen macht, und ich fühle alle einzelnen Studien jetzt auf's neue wie ein einziges Ganzes, wodurch die Stellung und Zeichnung aller Figuren freyer und breiter geworden. Ich werde sehr sparsam mit den Farben umgehen und zuerst nur vorzüglich den Totaleffect im Auge haben.
"Meine Abhandlung über das Verhältniß der Farben denke ich bald an Steffens zu schicken. Nun ist in dieser Zeit ein Programm erschienen, eine Theorie des Lichts und der Wärme, welche zugleich eine Theorie der Farben ist, von Oken, die mich sehr erfreut hat und mich in meiner Meynung bestärkt, daß die Ansicht eines Mahlers doch ganz nothwendig ist, um die allgemeinere Ansicht des Universums, in welcher die Naturphilosophen die äußere Erscheinung, die Chemie und Mathematik zugleich umfassen, gleichsam in der Nuß, und individueller in der bloßen Erscheinung, eben so zu finden. Wenn eine Zeit, in welcher jede Kunst und Wissenschaft recht als ein kräftiger tüchtiger Baum da gestanden, etwas sehr großes ist, so hat sie diese Größe ihrer Erscheinung gewiß einer vorhergegangenen zu verdanken gehabt, in welcher alle durch Communication nur eine einzige tiefe Ahnung des menschlichen Vermögens ausmachten. So geht jetzt uns wieder alle Individualität aus den Händen, und laß dann kommenGutes oder Böses. Es soll mir alles willkommen seyn, denn mit dem kommt auch die Zeit, wo alles wieder an's Licht tritt.
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