Philipp Otto Runge
An seine Schwiegermutter
An seine Schwiegermutter
Liebste Mutter
Zuerst soll ich pauline entschuldigen daß sie nicht schreibt wir haben weißen Tapezieren und reinmachen laßen, dabey sind die Maurer beym Hause und machen es dicht daß die Sonne nicht anders als zum fenster herein scheint, und diese Woche hat sie große Wäsche und die Marie kann noch nicht gehn kriecht aber in der geschwindigkeit an der Thür bey welcher die Treppe gleich herunter geht und über dieses haben wir habe wir seit 2 Mon[aten] einen armen kranken Menschen auf dem Hals Ekmark #1, ein schwedischer Maler der sich auch in Dresden auf gehalten, der zu uns gekommen ist daß es unmenschlich gewesen wäre sich seiner nicht anzunehmen weil er hätte um kommen müßen, da es nun aber so allein für uns etwas zu stark war so haben wir ihn jetzt in ein Krankenhaus gethan, wo er gute Pflege hat wo es wohlfeiler ist und wo andre mit dazu beytragen, es ist sehr schön für andre zu sorgen, doch entzeuch dich nicht von deinem fleisch, heist es in der Schrift.
V3ir wißen nun nicht mehr was wir denken sollen liebe Mutter von Ihren herkommen, da wir nicht wißen wie sehr es nach unruhigen tagen bey Ihnen aussieht, und ob die Ungewißheit sich nicht so lange erhält, bis die Iahrszeit die Reise verhindern mögte. wen indeß die Unruhe dazu diente die ruhige Aussicht für eine lange zukunft uns zu eröfnen, und die bangen zweifel der gewißen Sicherheit des Geistes weichen wolten, so ist unser Intereße zu geringe um die Begebenheiten zu verwünschen die Sie verhindern.
Unsere Reisenden sind in Wollgasl wohl angekommen auch haben wir schon aus Mecklenburg Nachricht, und die viele Grüße von den Eltern und besonders von Mrieken für Sie Klinkov^tröm hat uns auch geschrieben daß er jetzt wieder von Hause freykommen kann er wird nach ?ari8 über hier und ttollanä gehn und uns den künftigen Monath hier besuchen worauf ich mich ganz außerordentlich freue, auch kriegen wir seine Copie von der N!acht von (^olle^io im Hause die er gerne verkaufen will^. Wir sind hier jetzt alle wohl wenn gleich in man cherley Sorgen paulinelcen muß es sich auch sauer werden laßen indeß was einen sauer wird das krigt man auch lieb, und das ist wieder sehr gut der Alte Claudius ist dieser Tage recht krank gewesen, doch hören wir daß er nun wieder beßer ist, die Kinder aus München #4 s^d jetzt hier. Grüßen Sie an alle lieben Geschwister den brsuder) ^ayue der ^0even" #5 Georgis und den Vater und Mama " #6 Daniel grüßt mit mir und pauline die Kinder schreien ebey Ihr Sohn
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Am Rand: Die Farben habe ich erhalten und an Daniel bezahlt der den Vater dafür Creditirt hat.
100 Die Exzellenz ist vermutlich Graf Camillo Marcolini, Direktor der Künste und Kunstakademien in Sachsen.
1 Vermutlich Marcolini.
2 Daniel Eckmarck, geboren 1778 zu Stockholm, gestorben zu Hamburg 17. September 1808 an der Schwindsucht. Er fehlt bei Thieme-Vecker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, und in anderen Handbüchern. Goethe verwechselt in seiner Antwort auf Nunges Brief vom 19. September 1808 Eckmarck und den Bildnismaler Johann Friedrich Eich (17^8 bis 1607).
3 Das Gemälde kam als Altarbild in die Marienkirche zu Greifswald.
4 ch103 Die vier Kinder des Medizinalrats Max Iacobi in Mün chen, der mit Anna Claudius, einer Tochter des Dichters, ver heiratet war.
5 Paulines Bruder Jacques Bassenge, Bankier zu Dresden, und Paulines Schwester Aimee, feit 1797 Frau des Iagd- sekretärs Löwe in Dresden.
6 Frau Melizer.
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