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Philipp Otto Runge

An Carl Friedrich Bassenge


An Carl Friedrich Bassenge Hamburg den 12 Augt 1807

An Carl Friedrich Bassenge


Liebster Vater
Ich weiß nicht mehr wann ich Ihnen zuletzt schrieb, daß es mit Pauline ihrer Brust etwas schlimm wäre. Sie schreibt Ihnen nun selbst, daß alles wieder in guten gange ist und noch woll besser kommt, die Kleine ist auch recht wohl und lacht mit unter für Wohlseyn, – von Pommern haben wir der unsrigen wegen noch ziemlich leidliche Nachrichten, sie haben Würzburger in Quartir #341, die sich gut betragen, sonst ist das Land unmäßig gedrückt, auch passiren ansteckende Krankheiten und sterben viel leute, Jacobs kleiner August ist auch krank. – man glaubt, daß der 15te dieses (Monats) für Stralsund ein heißer Tag werden wird – Gustav ist dicht vor Stralsund gewesen, daß er die Schwed: Kugeln hat Pfeifen hören, um 4 Pferde u. wagen wieder zu holen, hat aber nur ein altes gekrigt, die Mecklenburger sind in dieser hinsicht sehr geplagt – Carl seine frau hat indeß ein klein Töchterchen und ist alles in guten Zustande, wir wollen uns nun bemühen, Gustav eine Stelle im holsteinschen zu verschaffen, da die fr:(anzosen) aber wahrscheinlich bald das Land besetzen dürften, so mag auch wol nichts daraus werden, wir haben jetzt Spanier im Quartir gekrigt #342. – Wir hoffen bald von Ihnen zu erfahren, daß unsre liebe Mutter wieder zu Hause ist, auch daß sie alle Wohl sind. der lieben schwester Mimi ihr geburtstag ist morgen, wozu ich Sie alle, der Mimi selbst aber am meisten, Glück wünsche, Gott lasse uns uns bald mahl freudig und gutes muts wiedersehn, grüßen und küssen Sie dieselbige gute Person von herzen in meinen Nahmen, den Tag darauf wird auch Mrieken ihr Geburtstag hier erfolgen, – es ist immerfort sehr heißes Wetter und mich hat es vorzüglich sehr angegriffen, ich bin seit einigen tagen sehr Caput, daß ich mediziniren muß. Siegmund, Mr:(ieken), die eben hier sind, grüßen auch so wie Daniel –

Vieltausend Grüße an die alte Mama.

Der Ihrige Otto

(von Paulines Hand:) Mille amitie a Ma bonne Maman Melizet. –

341 Am 25. Juli wurden die in Wolgast einquartierten Baiern durch 362 Würzbürger abgelöst, die am 4. August durch 150 Mann abgelöst wurden. Durch strenge Mannszucht, durch bescheidenes und gesittetes Betragen hat dieses Bataillon sich hier ein rühmliches Andenken gestiftet, berichtet der Chronist der Stadt Wolgast. (vgl. C. Heller, Chronik von Wolgast, Greifswald 1829, S. 376 f.).

342 vergl. Anm. 370. (370 = Daniel schreibt dazu in den Hinterlassenen Schriften II, S. 367: „Verdeckte Redeweise, um von den spanischen Truppen zu sprechen, die früher in Hamburg in Quartieren gelegen hatten und durch ihre Gemüthsart den Einwohnern größtentheils ordentlich lieb geworden waren. Unsere jungen Nichten aus Mecklenburg waren im August mit dem Bruder Jacob aus Wolgast in Hamburg, um die Schwester Maria, welche über ein Jahr hier verweilt hatte, heimzuholen; sie hatten den Napoleonstag hier erlebt, dessen Feyer mit in Hamburg ganz unerhörter Pracht und Kostbarkeit Marschall Bernadette als Gouverneur erzwungen hatte, den er aber selbst hier nicht mitfeyern konnte, indem er den Spaniern nachzusetzen versuchen mußte, die sich in Fühnen nach ihrem Vaterlande eingeschifft hatten. Die Nachricht davon ward in H. grade am 15. August ruchbar und verwandelte die Illumunation in ein ächten Jubel."


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