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Philipp Otto Runge

An Carl Friedrich Bassenge


An Carl Friedrich Bassenge Hamburg den 28 July 1807.

An Carl Friedrich Bassenge


Lieber Vater
+Ich hoffe, daß Sie alle Schwierigkeiten, die Sie, indeß daß ich Ihren lezten lieben br:(ief) erhielt, dort gehabt, um zu wissen ob sie sich freuen oder traurig sein solten, überstanden haben, und nun wissen, daß ein frischer Muth das einzige ist, was man haben solte und alle übrigen Ergötzlichkeiten fahren lassen sollte, wir sehen in der Zeitung, und ich höre auch so von einen, der dort her kömmt, daß viel gebaut, gemahlt, gefiedelt und Spectaculirt ist. die lampen sind indeß aus, wolte Gott, der Tag wäre erschienen, daß man nun nicht im finstern säße. es ist doch nur ein Nothbehelf mit den Erleuchten durch lichter, die Menschen aufstecken, bis das licht kömmt, das von Ewigkeit leuchtet unter den Menschenkindern. wir freuen uns hier nicht und das traurigste ist, das man hin und wieder hört wie sich glücklich gepriesen wird, daß nach den Algemeinen frieden der handel wieder in flor kommen wird, und die Menschen alles vergessen, selbst die, die gesehen haben, daß der streit unentschieden ist und nur den alten kram wieder hervorsuchen, anstatt auf die Veränderten umstände sich zu besinen und auf die lebendige bestrebung des Menschengeschlechts, alle alten formen überwältigen zu müssen, die den Geist gefangenhalten, unterdrücken; für die, die sich nicht zu den frieden freuen können, ist gewiß nicht so viel verlohren. So mein ichs.+

Meine Arme Pauline hat indeß recht viel aushalten müssen, da die rechte Brust ihr schlimm geworden, und sie nun auch aufkömmt, ich würde es Ihnen nicht schreiben, wenn das schlimmste wie wir hoffen nicht vorüber wäre, wir hoffen stündlich, daß es aufkömmt, auch hat sie nicht mehr so heftige Schmerzen wie sie gehabt, sie ist auch sonst ganz gesund und würde Ihnen schreiben, wenn es die rechte Seite nicht wäre, das Kind ist auch gesund und munter und nimmt zu an Geist u. Leib. und ich hoffe Ihnen nächstens die besten Nachrichten von der Besserung zu geben, wenn es nur nicht so gar heiß wäre. daß das Kind Maria Dorothea heist, glaube ich Ihnen in meinen lezten schon geschrieben zu haben, wir bitten uns dagegen den Nahmen von Jaque sein Kleines aus.

Von Hause haben wir noch so ziemlich beruhigende Nachrichten, obgleich nicht bestimmtes über die Aussichten. Die Mecklenburger sind von Durch märschen gänzlich frey geblieben, haben aber entsetzlich mit Requisitionsfuhren zu thun, welches Ihnen die Acte sehr erschweert. Gustav ist vor Stralsund, um 4 Pferde aufzusuchen, die ihnen genommen werden #336.

Daniel grüßt mit mir. Grüßen Sie alle von mir u. Pauline und auch Mrieken, und besorgen Sie gütigst die Einlage.

Ihr getreuer

Phil. Otto Runge


336 Am 13. Juli traf der französische Marschall Brüne mit einem Armeekorps bei Anklam, Damgarten und mehreren anderen Stellen in schwedisch Pommern ein, um die Belagerung von Stralsund aufzunehmen. (vgl. C. Heller, Chronik von Wolgast, Greifswald 1829, S. 375).



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