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Philipp Otto Runge

An Daniel


2,341 # 21. Februar 1807

An Daniel


--Ich wüßte nicht, Liebster Daniel wenn das Leben nicht das
Bestreben mehr wäre, die Ideen des Lebens zu realisieren, wie man überhaupt noch leben sollte; ich glaube
aber nicht, daß wir uns die Lebensweise wählen können, worin sie sich realisiren, denn alsdann wären
Träume, Phantasien, und Leben einerley. Daß aber die Ideen nur unter dem Zwnge der Nothwendigkeit real
in's Leben übergehen, ist der Glaube, worin. wir uns einig seyn werden. Und hiernach wäre es schändlich
erbärmlich, wenn ich, anstatt mit dir zusammen zu arbeiten, noch etwas Passendes für mich wählen wollte,
denn dies würde die bloße Faulheit seyn. Du wirst es auch selbst wissen, welche geheime Wunder uns iln
Herzen aufgehen durch das Gebudenseyn der Sehnsucht.an die Nothwendigkeit .-Wie wir in unsrer
Gesinnung uns treffen, wird sich am besten ausweisen, wenn wir zusammen sind.

Ich bin diese Woche einmal zu Klinkowströin geritten, aber es ist doch ungewohnte Arbeit. Der wird eben so
gut noch ein Landmann wie ich ein Kaufmann und vielleicht bsser. Es ist mir an ihm aufgefallen, wenn man
an Freunden Eigenschaften erblickt, die einem einigermaßen abgehen, und man sie sih zu eigen zu machen
sucht, wie leicht man dann den Andern in seiner Eigenschaft verderben kann. Der K. macht viele leichte
Skizzen, und hat rnir ein Collegium gelesen, daß ich ein gleiches tliun solle; nun macht er es aber
nachgerade so arg, daß ich ihm bald ein entgegengesetztes lesen kann.


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