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Philipp Otto Runge

An Daniel


2,334 # 9. Januar 1807

An Daniel


--Ich sehne mich von Herzen darnach, mit dir wieder
zusammenzukommen, indessen auf den Fuß, wie es gewesen, wahrlich nicht. --Ich bin zu der
Ueberzeugung gekommen, daß ich mich tausendmal lieber in eine Arbeit, und wär' es die härteste, begeben
will, als so vogelfrey leben. Ich meyne, wir sollen den Umständen weichen und machen den Willen des
Schicksals zu dem unsrigen, so sind wir ungefährdet. Wie soll ich auch anders meine Eigenschaft durch die
Zeit hindurchbringen? welches doch geschehen muß. Ich werde unter jeden Umständen die Kunst nicht aus
den Augen verlieren; solltest du dafür besorgt seyn, so sage ich dir nur dieses: Entweder ist mein Geschäft
außer der Kunst, dann ist das, was ich in der ersparten Zeit hervorbringen kann, eine Sehnsucht hinaus, die
eben so tief trifft, und worin das Leben concentrii~ ist; oder mein Geschäft ist in der Kunst, und so ist meine
Existenz unter Leuten, wo Streit, oder Vereinigung, oder beides, den Productionen einen wissenschaftlichen
Gehalt giebt.-

Die Umstände drängen nun aber, und ich ergreife mit williger ' Hand jede Arbeit, die mich erhalten kann,
wenn ich dazu fähig bin, und werde mich wie ein Kind zu einer solchen Arbeit freuen. Wenn du nun ein
Geschäft hast, das ich, um dir Zeit zu sparen, treiben kann, und wenn du ein Zusammenleben mit mir auf die
Art meynst, so ist dieses mein herzlichster Wunsch. Auf die Art soll mir der Ort auch ziemlich einerley seyn:
welches aber nicht möglich ist, wenn mein Geschäft in die Kunst fällt. Es würde gewiß in Greifswald nützliche
Beschäftigungen für mich geben, wenn du hieher kämst, und ich hätte dort gewiß gleich mehrere Arbeiten,
sobald es so ruhig wäre, daß ich von hier weg könnte. Wenn du den Vorsatz hast, dich binnen einem Jahr
oder so loszuarbeiten, um hieher zu kommen, so wird sich ja im Frühjahr die Gelegenheit finden, meine
Sachen. zu Schiffe herzuschicken.

Wenn u nur einen Entschluß fassest, so füge ich mich in jede Ordnung; ich bitte dich aber, daß du nicht
immer auf ungewisse Speculationen von künftigen Verhältnissen hin, ohne etwas Bestimmtes zu sagen,
aussehest; diese würden zu dem, was ich gegen die Zeit anfinge, nicht passen, und so würden wir uns nur
einander schaden. Ich bitte dich, daß du lieber den bestimmtesten und nächsten Vorsatz ergreifest und
darauf am meisten rechnest, wie sehr du deine persönlichen Kräfte concentrirst, wenn du dich hieher
zurückziehst und die Ordnung zu gewinnen suchst; und wie sichre Schritte du thun kannst, wenn du von
diesem Mittelpunct wieder ausgehst; denn was du hier zu thun finden wirst, wirst du immer vollständig thun
können. Mir ist soviel wie an meinem Leben daran gelegen, ein ordentliches Leben zu führen, und ich bin
gewiß mit dir einig. Ich umarme dich von ganzem Herzen. Dein Otto.


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