Philipp Otto Runge
An die Schwiegereltern
An die Schwiegereltern
Liebste Eltern
Ich war eben in Stralsund #317 als der Brief von unsrer lieben Mutter kam, worüber ich von Herzen froh gewesen, Gott erhalte Sie und die lieben unsrigen dort und in Leipzig ferner gesund und beym leben, wir sind es auch noch alle, von Mecklenburg haben wir seit 8 t: die letzte Nachricht, wir hoffen es ist dort noch wohl. in H(amburg) haben sie saure Arbeit, doch kommen sie mit Gott durch, sie haben viel redliche freunde in der Noth gefunden, die sehr groß ist und größer gewesen. P(auline) befinden sich wohl. wir hoffen, daß wir hier auch erhalten bleiben, ich freue mich jetzt zu Vaters und Jacobs Hülfe hier zu seyn, Sie können denken, daß ich jetzt sehr wenig weiß anzufangen, und meine Geschwister helfe ich wie sie mir geholfen, ich hab es nicht aufgeben, den Sommer zu Ihnen zu kommen, es mögte indeß auf eine andre art wie sonst geschehen, sobald ich den meinigen hier nur entbehrlich bin, werd ich sehen, ob noch hier im lande etwas für mich zu thun wäre, da ich nicht wissen kann, wie sehr es mir nützlich werden kann, so freut es mich itzt um so mehr, mit Göthe in sehr freundschaftlichen Verhältniß zu stehen, ich habe in dieser Zeit sogar br:(iefe) von ihm, und bin ich hier also müßig und ich kann auf eine nüzliche weise zugleich meinen Aufenthalt in Sachsen wählen, so geschieht es eher je lieber, wie anders auch das leben ausfallen mag wie man sich gedacht hat, so müssen denen, die Gott lieben, doch alle Dinge zum besten dienen, und so wollen wir auch unverzagt das erreichen, was der Augenblick erfordert, und das werde ich dem ganzen Gott anheimstellen
der Ihrige
Otto
317 | Hier hatte Runge geschäftlich für Daniel zu tun.
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