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Philipp Otto Runge

An die Schwiegereltern*


An die Schwiegereltern

An die Schwiegereltern*

* = #309

Liebste Eltern
mit der größten Sehnsucht sehen wir die erste Nachricht von Ihnen entgegen, wir sind gottlob alle am Leben und gesund, von den lieben unsrigen haben wir, außer von Ihnen, Nachricht. ich zweifle auch nicht, daß Daniel Ihnen geschrieben, da die Posten dort im Gange sind. Pauline hat Ihnen geschrieben wie es hier ergangen, wir wissen nicht, welches Schicksal uns bevorsteht und es ist nicht zu glauben, daß wir verschont bleiben sollen, obwohl wir nicht blos durch die fr(anzosen), sondern durch die nötigen Masregel der eignen Regierung, indem alle Schiffe und Bote von hier musten, schon sehr mitgenommen sind. es wird Ihnen dort nicht besser gehn, indeß hoffen wir doch, daß Sie für die einzelnen Greuel der Marodeurs sicher gestellt sind, wovon unsre lieben Mecklenburger das entsetzlichste erdultet haben und fast ganz ausgeplündert sind, es sind viele Menschen in Mecklenburg umgekommen, denen die Gedult gerissen war, viele Menschen leben im Holz versteckt, und unser Carl ist mit Frau und Kind auch 3 Tage versteckt gewesen, um sich für Mord zu retten, jetzt ist es wieder ruhiger, u. Gustav hat uns schon ein paar mahl Nachrichten gebracht. Wir wissen wenig was vorgeht, in Lübeck ist es entsetzlich gewesen und ist 3 Tage der Plünderung u. den entsetzlichsten Unordnungen preisgegeben gewesen, indem die Pr:(eußen) sich noch immer in der Stadt gewehrt haben, 1100 Schweden sind dort auch gefangen #310. unsre grenze ist bis auf die obige begebenheit nicht überschritten. Gott helfe uns durch und erhalte unser Auge wacker, daß wir nicht wanken und Ihm immer mehr auch in diesen ungeheuren Schicksal erkennen. unsre alle herzlichsten Grüße, schreiben Sie uns sobald Sie können, grüßen sie alle lieben.

Ihr Otto

309 | Daniel veröffentlicht Teile des Briefes unter November 1806".

310 | Nach der unglücklichen Schlacht bei Jena und Auerstädt streckt Hohenlohe bei Prenzlau die Waffen. Murat verfolgt mit seinen Reitern die unter Blücher in Richtung Lübeck zurückweichenden Truppen. Mecklenburg wird gebrandschatzt. In Lübeck wird Blücher am 6. Nov. von der französischen Übermacht besiegt, und er muß am nächsten Tage mit dem Rest seiner Truppen unweit von Travemünde kapitulieren.



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