ask23 > Runge: An Pauline
Nr. 55 von 210 Ressourcen im Ordner por_03_bvr
Blättern: << zurück || weiter >>

Philipp Otto Runge

An Pauline


An Pauline Wollgast d. 21 März 1806.

An Pauline


Liebstes Paulinchen
Wir grüßen dich alle von ganzen Herzen und ich vor allen, deinen lieben Brief vom Dienstag hab ich gestern Abend erhalten und freu mich, daß du und Siegmund wohl seid und alles in gutem Zustande ist, ich sehne mich von Herzen darnach, dich wieder zu haben, auch wird unser außensein woll nicht länger währen wie es angeschlagen ist, wenn es aber nur überhaupt zu etwas hülfe, eine große Revolution in unsern ganzen Verhältnis wird wol erfolgen, doch ist mir dafür nicht bange, ich weiß, daß du mein bist und du wirst ebenso gewiß bey mir stehen wie ich bey dir, es mag kommen wie es will. S: führt sich aufs schändlichste auf #270, ich werde dirs erzählen, wenn ich wieder bey dir bin. Küsse den Jungen. ich reise heute mit Jacob und Daniel um 1 nach Greifswald, vieleicht reist Gustav mit, ich werde für mich bey Schildner logiren, morgen abend kommen wir wieder, ich will mir die leute besehen, was an ihnen ist, wenn ich in Hamburg komme, werd ich wol mannches thun müssen, was ich in andern Umständen wol nicht gethan hätte, ich muß mich mehr in der Welt bekant machen, um für die Zukunft unser Existenz mannigfaltigere Quellen zu Unterhaltung zuschaffen, die Hellwigen ist diesen morgen wieder zu hause gereist, aus den Güterankauf wird doch wol nichts, die sache ist sehr übel, die Verhältnisse mit Carl und ihr u. mit Gustav werden von uns 3 hier so viel wie möglich betrieben werden. David wird künftige Woche hierkommen und wenns möglich ist Carl auch. ich schreib dann mehr.

Ich bitte dich nun liebes Kind Herrmann M:(üller) zu fragen (aber gleich), ob der Schiffer, der auf Wolgast dort in Ladung liegt, noch dort ist, und wenn es so ist, ihm die eine Staffeley mitzugeben, nimm meine liebe, wo der mitlere Stock am dichsten ist, dann köntest du ihm auch den kleinen farbenstein mitgeben, – dann nimm unter den sachen, die ich alle so vor einander hingestellt habe, die zwey bretter, das große fichten aus Dresden und eine pernelung, wo zwischen du das Papier legst, was so dazwischen geklemmt steht, und dann kannst du auch was du gerne her haben wilst dabey packen, Bettlaken brauchst du nicht mitzu bringen, und ich werde meine hemden auch gleich hier lassen. du schickst also:


1. die staffelei
2. den farbstein
3. die 2 Großen bretter
4. das Papir
5. auch das Winkelmaß, wo ich die eintheilungen auf gemacht habe und legst es zwischen oder auf die bretter, so daß kein schaden werden kann, ich bitte Herm. Müller oder Augt. Besser, daß sie so gütig sein, es so zu packen, daß es keinen Schaden nehmen kann.

Wir sind hier alle recht gesund, auch mit Stienchen geht es wol an, Gustav ist auch ziemlich gut. ich habe sehr viel gewünscht, daß du hier seyn mögtest und wünsche es noch von herzen, Vater, Mutter, Jacob, Stienchen, Mrieken usw. alle grüßen dich, besonders unser Daniel. ich küsse dich viel tausendmahl mein liebes Kind. Grüße den Siegmund, so viel Kinder hier auch sind, so wird er sich doch gut ausnehmen, von wegen der Munterkeit. ich drücke dich an mein herz. wegen unsre liebe Mutter dauerts mich auch, schreib doch nach Leipzig an ihr, ich schreib auch vieleicht von hier aus.

Ewig Dein

Otto

270 Daniel hatte für Sonnenschmidt, einen Wolgaster Geschäftsfreund, gutgesagt, das Vertrauen war gebrochen, und der Zusammenbruch der Rungeschen Handelsgesellschaft schien Wirklichkeit.


Alle Rechte vorbehalten.
URL dieser Ressource: http://ask23.de/resource/por/por_03_bvr_1806_03_21_deg