Philipp Otto Runge
An Maria Friederike Bassenge
An Maria Friederike Bassenge
Liebe Mutter
Ihren lieben brief, nebst den lieben Vater seinen, haben wir mit Vergnügen erhalten und gelesen, mit allen interessanten Nachrichten von begebenheiten in der Familie, ich danke besonders liebe Mutter, daß Sie mir mahl grade zu geschrieben haben, ich hoffe, daß unsre liebe Louise in Moscau #263 nicht böse sein wird, daß wir ihr so wenig schreiben, grüßen Sie sie doch von herzen von mir, wenn Sie an ihr schreiben, ich will es nächstens bald selbst thun.
in Wollgast sind sie recht wohl, Vater hat es etwas im Kreuz gehabt, ist aber doch wieder vorüber und mit Gustav geht es so ziemlich, er hat mir selbst geschrieben, doch ist das übel nicht gehoben. wir verlangen alle herzlich, daß sich irgend ein bewährtes Mittel dafür finden ließe, und wenn Sie liebe mutter so etwas hören solten, so schreiben sie mir es doch, es ist bey ihm gewiß aus den übermäßigen blutverlust entstanden, da er seit 10 Jahren immer alle Tage 1. 2. auch mahl stark aus der Nase geblutet hat und es bisweilen so arg gewesen ist, daß er schon davon krank geworden, u. Ohnmächtig gewesen ist. Gott behüte jeden Menschen für so einen Zustand. unser neues Mädchen hat uns dieser Tage einen entsetzlichen Schrecken dadurch gemacht, daß sie einen heftigen Epileptischen Anfall krigte, es hat uns nach den ersten Schrecken sehr betrübt gemacht, da es ein so gutes Mädchen war, u. wir sie nun nicht behalten konnten. sie ist nun schon fort, und wir sind auf den selben pfleck wie vorher, doch danken wir Gott, der es so gefügt hat, daß sie das Kind nicht hatte u. nicht allein war, auch daß es Pauline nichts geschadet, noch das Kind. Pauline wird Ihnen wol auch davon schreiben.
Ihre Sehnsucht zu den Siegmund ist grade gut angebracht gewesen, und ich hoffe, daß Sie Ihnen durch Klinkowström einigermaßen gestillt werden. #264 Das Weihnachten ist zwar schlecht wetter gewesen, aber doch sehr angenehm, wir waren den 3ten feyertag bey Mad. Sieveking, wo ich die Weihnachtsbäume eingerichtet hatte, und es war ganz schön, vorzügl. Mad. S:(ieveking) so wohl wie Mad. Hanburg lassen Sie auch sehr viel grüßen.
Grüßen Sie alle viel Tausendmahl und vorzüglich den Jaques, Henry, alt und jung.
Ihr Sohn Otto R.
263 Vergl. Anm 252.
264 Runge hatte seinen Sohn Otto Siegismund für seine Schwiegermutter in Dresden gemalt.
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