ask23 > Runge: An Dr. Schildener in Greifswald
Nr. 34 von 210 Ressourcen im Ordner por_03_bvr
Blättern: << zurück || weiter >>

Philipp Otto Runge

An Dr. Schildener in Greifswald


Hambg 1,196 # 5. November 1805

An Dr. Schildener in Greifswald


Ich bedaure sehr, daß ich Ihren Auftrag nicht
ausrichten kann. +) Wir (nämlich Speckter so wie ich) erinnern uns wohl der Anzeige im Correspondenten
[gesp.] , doch ist auf so etwas unmöglich zu achten, weil, wenn etwas daran wäre, die Leute gewiß eine
bessere Art bey der Hand gehabt hätten, um ihre Sachen los zu werden. solchhe Käufe wären, wenn Sie
sammeln wollen, gewiß der Weg, sehr viel Schlechtes, nur etwas Mittelmäßiges, und nichts Gutes zu
erhalten. Ich wollte, daß Sie es daran wendeten, wenn hier einmal eine vorzügliche Auction ist, wo recht
breite Namen darin vorkommen, eine Reise hieher zu machen, es würde sich durch die Erfahrung gewiß
belohnen, denn Sie würden selbst sehen, daß die Stücke mit den großen Namen gewiß die schlechtesten
sind, und das allenfalls gute fände sich nur unter den nicht sehr berühmten Namen. Glauben Sie nicht, als
wollte ich mich für so klug und verständig ausgeben, um Ihnen den Weg zeigen zu können; ich bin sehr weit
entfernt davon und im Sammeln sehr unwissend, da ich selbst nichts habe, als in und aus mir. Wenn man
hier aber wüßte, wie und was Sie interessieren könnte, so wäre es ein andres, und Sie würden hier gewiß
auch Gelegenheit finden, manches aus der Hand zu kaufen. Ich könnte Ihnen öfters darüber schreiben, da
die Auctionen mir gegenüber gehalten werden und heute noch eine gewesen ist; es hilft aber nichts, ich habe
keine Zeit und keinen Trieb dazu, und es trifft sich selten, daß ich mir ein Bild, wünsche, obgleich kürzlich
recht gute da gewesen sind. Wenn es mit jenem Kauf etwas gewesen wäre, ich würde mir ein Vergnügen
daraus gemacht haben, Ihnen zu dienen, doch tauge ich nur nicht recht dazu, und bin dümmer darin, als Sie
glauben.

--Ich kann es leiden, daß man dort auf das Neue gespannt ist. Von einem Publicum der Art kann der
Arbeitende Hülfe erwarten; diejenige nämlich, die als Wiederhall die wahren Ausbrüche des Künstlers
bestätigt und ihn so in den Stand setzt, seiner wahren Idee die Vollendung in der Gestalt zu geben. Freylich
schickt, es sich für einen jungen Mann, der arbeiten will, nicht, bloß begierig zu seyn, auf das, was allenfalls
erfolgen wird.



Fortsetzung aus dem 2. Band:] -Da Sie mir den Auftrag, etwas für Sie zu machen, nicht bestimmt gegeben,
so habe ich ihn auch nicht bestimmt erfüllt. Jedoch werde ich im Frühjahr Verschiedenes mitbringen, und so
ist es auch besser. Ich bin auch verschiedentlich in das Portraitmahlen hineingekommen, welches mich viel
Zeit gekostet. Doch habe ich auch die Flucht nach Aegypten diesen Sommer gearbeitet, und also
angefangen zu mahlen. Der Unbestimmtheit Ihres Auftrages wegen habe ich dieses Bild meinem Bruder hier
versprochen, doch fange ich auch einiges andre wieder an. Wenn Sie die Portraits (das Familienbild), die ich
nach Hause geschickt habe, sehen werden, so stellen Sie sich nur nicht vor, als ob das nun meine Art zu
mahlen wäre; ich habe nur erst darnach gesucht. Die Bilder, die ich nach der Zeit gearbeitet, sind mir schon
besser gerathen, und ich hoffe, daß, wenn ich Sie in Wolgast sehe, wo ich meine Eltern mahlen möchte, ich
in dieser Hinsicht die Eröffnung eines Weges werde anschaulich machen können, auf welchem die Wunder
der Farbe sehr lebendig würksam sich zeigen. ------


Alle Rechte vorbehalten.
URL dieser Ressource: http://ask23.de/resource/por/por_03_bvr_1805_11_05
Das ist die Originalversion der Ressource: Verfügbar gemacht von christiane am 2009-10-22, Hashwert da39a3ee5e6b4b0d3255bfef95601890afd80709