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Philipp Otto Runge

An Carl


An Carl Hamburg den 4 May 1805.

An Carl


Liebster Carl
Den letzten April, als am Dienstage, ist meine Pauline von einen kleinen jungen glücklich erlöst worden und ich schreibe dir es in der Hofnung, daß du es allen unsern lieben dort in Brunn u. Neubrandenburg von unsertwegen bekant machst, Sie ist so ziemlich wohl, das Kind ist nur recht klein und schreyt allermeist, wir erwarteten es 14 tage später, doch ist auch Pauline durch einen starken Schreck dazu gekommen, daß es etwas früher kam, obgleich es solange auch wol nicht würde gedauert haben, – es fiel nemlich ein Fenster von der Treppen thüre grade vor Pauline nieder, am Montag, und sie erschrack so, daß in 5 Miuten sogleich Schmerzen da waren, die auch immer mehr zu nahmen bis der junge den andern Mittag um 2 da war, wir freuen uns nun, daß alles so gut gegangen ist. Sie befindet sich auch recht gut und wir gedenken auch heut den kleinen zum saugen zu bringen. ich wünsche, daß ihr da nicht soviel kränkelt und daß du übers Jahr dieselbe Freude erleben magst. der junge soll Otto Siegismund heißen, er ist recht nütlich und sieht Pauline sehr ähnlich, außer daß er blaue Augen hat.

Pauline hat die Pupp Ursel wohl erhalten und ich habe sie gleich mit in die Wiege gelegt. der Kleine spielt indeß noch wenig und beschäftigt sich mit schreyen. gestern hatt P(auline) Fieber, heut ist sie aber recht munter. Die beyden Termometer für Hülsenbeck waren Caput, wahrscheinlich hat die eine Uhr die Kugeln unten in zwey gedrückt, so war auch die eine Uhr inzwey, nemlich daß die feder, die die Schnecke hält, wenn man sie aufzieht nicht hielt, auch hatte das Quecksilber außen an Pflecke gemacht. den Zettel habe ich an Hermann gegeben.

wegen der Kupferstiche wil ich dir dienen, nur must du gedult haben. wenn Besser von der Messe kömmt, so bringt er einige mit, Perthes hat einen buchhändler in Paris, der es immer nicht lassen kann, ihm etwas zu schicken, P: krigt auch einige wieder, es sind gewöhnlich ganz vortrefliche blätter, die eine Madonna von Rafael erhält er wieder, welches ein sehr liebliches bildchen ist, für 50 bis 60 Rh kannst du schon was kriegen, wenn du aber gemählde dafür haben woltest, so könte es nur schlechtes zeug seyn, ich will sehen wie man zu einen recht guten Abdruck von den Abendmahl von Leonardo Da Vinci kömmt, wenn es nicht zu theuer ist so wäre das ein recht ernsthaftes blat, wo viele freundliche herum kommen könten. ein Exemplar von meinen 4 tageszeiten will ich dir so wenigstens schicken, sobald ich die Abdrücke komplett habe, du kanst bis ich volständiger darüber werde, dir wenigstens allerley dabey vorzustellen und zu imaginiren suchen.

Grüße Gustav recht viel von mir, ich danke ihm für die Nachricht von Greifswald, es wäre mir erstaunlich lieb, ich steh auch grade mit Schildner seit einiger Zeit in Correspondenz, der sich etwas von mir wolte machen lassen und denke ihm einige Scitzen zu schicken, auch habe ich an Quistorp geschrieben und mich für seine Gesinnung bedankt, ihm gesagt, daß ich glaubte, er würde wohl wissen wie viel er mir zu zutrauen hätte etc #249, mich dünkt es ist besser wenn ich ohne so sehr weitläufige rekommandation dazu kommen könte. – auf alle fälle aber lieber Carl mache ich Anstalt, daß ich im frühjahr zu hause Vater u. Mutter mahle.

Ich mögte dir gerne noch mehr schreiben, doch sitze ich hier so in der Enge und schreibe aufm fenstersims und werde alle augenblick abgerufen. so bald ich kann, schreib ich dir mehr, und hoffe ein gleiches von dir, Grüße dein Heinchen und sage ihr, daß ich ihr zu den Zimmer gewiß nichts dummes aussuchen wolte, schreib mir doch ob ich dir hier so einfache Mahagoni Rahmen oder leisten herum machen lassen soll oder ob du recht gute räme haben wilst, die sind hier zu haben, sind aber auch theuer,

Pauline grüßt euch auch, ich hatte noch eine frage an dich Separat, nemlich die Eltern aus Dr(esden) besuchen uns im July. sie könen an die Reise nicht viel wenden u. wolten also den kürzesten und wohlfeilsten Weg machen, sich auch nicht lange aufhalten, schreib mir doch, ob es euch viel Kosten und Umstände macht, wenn ihr sie etwas fahren ließt, daß sie euch wenigstens besuchen könnten, sonst können sie das nicht, ich bitte dich aber, daß du es nicht als unverschämt von mir an siehst und mir auch grade zu schreibst, wenn es euch irgend unangenehm ist, ich wolte es nur nicht verschweigen, weil ich nicht weiß, was ihr denken köntet, wenn ich nicht mahl soviel zu trauen zu euch hätte, daß ich euch fragte.

Grüße David und sein Weib u. Jungens, viel tausend mahl deine Schwiegerältern und geschwister, Hellwigsch und Lottchen, Stienchen und unser Mrieken, nim diesen Sommer nur recht in Acht.

Gustav grüße ich von herzen und schreibe ihm bald. grüße und küsse dein Heinchen.

Dein getreuer Bruder

Phil Otto Runge

249 Gustav Runge hatte Otto aus Mecklenburg geschrieben, daß in Greifswald eine Summe für ein neues Altarbild der Marienkirche ausgesetzt sei. Runge bewarb sich beim Aniversitätszeichenlehrer Quistorp um den Auftrag, da dieser in Aussicht gestellt hatte, ihn bevorzugt vorzuschlagen. (vergl. auch H. S. II, 289).


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