Philipp Otto Runge
An Quistorp
An Quistorp
Wenn wir uns wiedersehen, werde ich Ihnen mit den
Bestätigungen meiner früheren Ahnungen, und mit gewissen und bestimmten Entdeckungen über die
wissenschaftlichen Elemente meiner Kunst, gewiß viele Freude machen. Mir kann oft recht himmlisch
zumute werden, wenn mir etwas auszuführen gelingt, wovon ich sonst wohl schon die Ahnung gehabt, und
innere und äußere Umstände arbeiten sich für mich immer mehr zu einer lebendigen umfassenden Ansicht
aus. Vorzüglich habe ich mein Augmerk auf eine Bearbeitung und einfache, durch unsre Kunst versinnlichte
Darstellung des Zusammenhanges in dem Ganzen der Gedichte Ossians gerichtet. Es ist dieses Ganze von
mir ziemlich durchgearbeitet, und ich glaube, die äußere Gestaltung der inneren geistigen Erlebungen, die in
diesen Gedichten zum Grunde lieget, würde, zusammenhangend und mit Liebe an den Tag gebracht, der
Neigung, die immer zu diesen Gedichten vorgewaltet hat, eine recht wohltätige freudige Wendung geben;
man würde lernen, durch die tragischen Begebenheiten der Zeit hindurch zu der hohen freudigen
Empfindung Ossians zu gelangen.
Übrigens auch scheinen mir alle Ereignisse und Empfindungen, die sich mir zu Darstellungen darbieten,
mich immer mehr dahin zu führen, die Erfüllung von der Ahnung Pauli deutlicher sehen zu lassen, »daß auch
alle Kreatur frei werden wird von dem Dienste des vergänglichen Wesens, denn nicht allein wir, sondern
auch sie sehnt sich noch immer nach der Erlösung« (Röm. VIII). Diese Hoffnung ist nun keine gewisse
Erkenntnis, denn sonst wäre Hoffnung, wie der Apostel auch bemerkt, nicht Hoffnung; jedoch will es mir
deutlich werden, daß, wenn, wie im Orient den Menschen der Erlöser geboren wurde, so im Okzident in den
einfachen Elementen der Natur dem Geiste einer Nation die Hoffnung eines ewigen gestaltlosen Wesens in
der Halle des Ruhmes aufging, dieses wie ein leiser Spiegel ist und Ahnung der Welt selbst von dem Geiste,
der über sie gekommen. So auch, wenn im Menschen der Geist der Liebe erweckt ist und durch ihn und in
ihm Gottes Wunder erscheinen in der unsichtbaren Welt, tritt die äußere Welt wie ein Spiegel dieser innern
Herrlichkeit vor ihm auf, und er kann und will nur dies einige herrliche Bild lieben und in allen Wesen
erkennen; so löset sich zuletzt in ihm die Kreatur auf zum Wesen, und die Gestalten seiner Gedanken, die er
als vergängliches Ding einschlingt in den Abgrund seines liebenden Wesens und sich selbst aufgibt in Gott,
sind so ihm ein Wirken der Bescheidenheit, daß er auch alle natürlichen Erkenntnisse versenket in die ewige
und die Wahrheit nur in Gott findet. Verzeihen Sie meine Undeutlichkeit und daß ich überhaupt jetzt so
etwas habe schreiben wollen .
2,289
-Von meinem Bruder Gustav in Mecklenburg vernehme ich, daß man bei Ihnen in Greifswald eine Summe
zu einem Altarbild ausgesetzt habe und daß Sie im Sinne hätten, mich zur Ausführung vorzuschlagen. Ich
danke Ihnen vorerst herzlich für Ihr Zutrauen und wünsche, daß, wenn es gelänge, keine große Rivalerie
eintreten möchte. Ich habe deswegen auch an meine Geschwister nach Wolgast geschrieben, Sie nicht
darum zu treiben, weil Sie wissen würden, was Sie zu tun hätten. Ich selbst wollte Ihnen aber doch
wenigstens für Ihr gutes Andenken danken und Ihnen sagen, daß Sie mir gewiß keinen geringen Dienst
erwiesen haben würden, indem Sie mir eine so gute Gelegenheit, etwas auszuführen, eröffnet; hoffe auch,
daß, wenn Sie gleich von einem bekannten guten Meister in einer sichern und beliebten Manier dort vielleicht
mehr befriedigt würden, Sie dagegen etwa bei Vollendung einer Arbeit von mir den guten Willen, Fleiß und
Liebe zur Sache mehr hervorstechen sähen, da mich die Routine noch nicht kalt gemacht hat.
Ich habe jetzt die »Nachtigall« vollendet und dies Bild ist mir in den meisten Teilen recht wohl gelungen, so
daß, wenn ich es auch im Ganzen oft anders wünsche und manches besser angelegt haben möchte, mich
doch die Liebe in der Ausführung und manche Erinnerung immer sehr anzieht und ich mich schwer davon
trennen würde. Sollte Ihnen bei Gelegenheit Ihres Vorschlages das im Wege sein, daß ich noch sehr
unbekannt wäre, so kann ich, wenn es etwa nötig, Ihnen dieses Bild allenfalls hinschicken, auch könnte ich
dasjenige, welches ich für meinen Vater male, diesen Sommer durch Ihre Hände gehen lassen ...
Klinkowström arbeitet sehr fleißig, und ihm gelingt manches besser wie mir, was wohl viel an seinem
glücklichen Temperament liegen mag.
Alle Rechte vorbehalten.
URL dieser Ressource: http://ask23.de/resource/por/por_03_bvr_1805_05_03_01_tzr
Das ist die Originalversion der Ressource: Verfügbar gemacht von christiane am 2009-10-22, Hashwert da39a3ee5e6b4b0d3255bfef95601890afd80709
