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Philipp Otto Runge

An Carl


Hamburg, den 22. März 1805

An Carl


Liebster Carl
Jetzt ist es ohngefähr ein Jahr, da du mich von Güstrow holtest und es macht mir ungemein viel Freude, daß da nun bald etwas anders lustiges passiren soll, Pauline freut sich auch allermeist und ist ganz rund, ich wünsche, das(s) du uns bald schreiben könntest wann deine Hochzeit ist und daß man auch nur sieht wie du dich ausdrückst, dein Brief hat uns sehr gefreut, und ich bitte dich recht sehr dein Heinecken zu grüßen. von Enoch soll ich euch alle auch grüßen, und seine Frau ist mit eine junge Tochter niedergekommen, worüber er ungemein viel Pläisir empfindet. Reimer in Berlin hat mir auch neulich geschrieben und mich zu Gefatter gebeten.

Ich bin zwar immer recht fleißig gewesen, jedoch komme ich in etwas nüzlichere Beschäftigungen jetzt hinein, so mahle ich auch unsere 3 Portraits #246 für unsern Vater, doch ist es noch nicht weit, weil sich immer so vielerley dazwischen schiebt. Herr v. Hahn, den ich einige von meine Sachen gezeigt, wolte mir das Bild die Nachtigal", welches ich jetzt fertig habe, abkaufen weil es ihm sehr gefiel, da ich nun aber gerade dieses Bild behalten möchte, um doch etwas Fertiges aufweisen zu können, so forderte ich 200 Rh, welches ihn sehr viel deuchte, und auch wohl mehr ist als was ich dafür zu erhalten hoffe, ich konte mich seiner aber auf keine andere weise erwehren, da er nichts bestellen wolte, wozu ich mich anbot, weil er glaubte, ich würde es dann so gut nicht machen. ich schreib dir dieß nur, um dir im vorkommenden Fall davon zu benachrichtigen.

ich weiß nicht ob Marieken dir etwas davon wird geschrieben haben, daß ich den Ossian mit Hardorf zusammen bearbeiten werde. #247 Ich habe wenigstens fürs erste 3 Zeichnungen zu der Äbersetzung von Stolberg gemacht, die ihm jetzt zugeschickt sind, um sein Gutachten darüber zu erkennen zu geben, dann wird sich das weitere finden.

Wir danken Schwester Hellwig und euch allen herzlich für die ganz vortreflichen Fressalien, die ihr uns mit Hermann u. Wülffing geschickt habt und Pauline, als Sachverständiges düchtiges Minsch, wird sich noch mehr bedanken. Wir haben den Winter auch recht oft so Klöße mit Waxbirnen gegessen, sodaß es ordentlich schön war.

Ich denke meine Sachen so ein zu richten, wenigstens arbeite ich darauf loß, daß ich mahl auf einen Sommer hinkomme und zu Hause und bey Euch alles vor die Faust wegmahle. sage daß deiner Braut, denn ich habe mich doch in ihrer Person geirrt und bin nun durch deinen Brief konfuß geworden. Daniel ist recht munter und er, so wie wir, verlangen sehr danach, bald etwas gutes von euch zu hören und daß du gesünder bist. auch Hellwigsch wünsche meinetwegen herzlich viel Gesund und Munterkeit, ich küsse dich heftig. auch Klinkow(ström) grüßt. dein

P. O. R.

(von Paulines Hand )

246 Das im Münchener Glaspalast verbrannte Oelbild Wir Drei", dessen Studienzeichnung aus dem Besitz der Nationalgalerie hier abgebildet ist.

247 Vergl. Anm. 245. Hardorf sollte die Blätter zum Ossian stechen. Er hatte schon eine ähnliche viel beachtete Tätigkeit ausgeübt, da Perthes einige von Stolberg übersetzten Schauspiele des Aeschylus mit den Flaxmannschen Amrißzeichnungen, die Gerdt Hardorf verkleinert hatte, herausgebracht hatte. (vgl. H. S. I, 257.)



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