Philipp Otto Runge
An Carl Friedrich Bassenge
An Carl Friedrich Bassenge
Liebster Vater
Ich habe sehr lange nicht an Ihnen geschrieben, denke aber, daß Sie doch noch wohl auf sind und wünsche es Ihnen allen. Wüllfing ist nach Wollgast und wird bald wieder kommen, dann soll der Hülsenbeck ihr kleiner Junge Adolf #244 getauft werden. auch habe ich eben von Hrn Reimer in Berlin die Nachricht erhalten, habe ich bey ihm Gevatter gestanden, wozu er mich nun hinter drein bittet
Ich wolte Sie eigentlich bitten, daß Sie so gütig wären, da ich durch Tante Haase Sächs. Crt. Rh. 36 an Sie werde auszahlen lassen; 10 Rh. Ld:or, die ich jemanden der Belitz heist und dort sich aufhält auf Sie angewiesen habe, bezahlen. wir haben lange keine Nachricht von Ihnen und ich hoffe, daß Sie mir nächstens Nachricht geben werden, daß Sie auch die lezte fertige Platte von Hrn Seiffert werden erhalten haben.
+Wir arbeiten hier immer frischweg, und Gott wird uns wol so weit helfen, daß wir was rechts zu tage fördern, es ist schlimm, wenn man immer so auf treu und glauben des rechten wegs arbeitet, und es verlangen schon leute, fertige sachen zu sehen, ich sehe recht gut ein, daß es mir nicht möglich ist anders zu arbeiten, wenn ich recht schaffen meine Pflicht erfüllen soll, und doch ist man so schwach oft selbst darüber zu klagen. mir wird es oft recht fröhlich und lustig zu muth, wenn ich in die zukunft denke, und stelle mir alles wie wind vor was zwischen mir und meinem Ziel liegt, und wenn ich in mir zurückkehre, so kanns doch nicht anders sein, als daß die rechte Lust, worauf ich warte, eher kommen kann als bis das Leben aus ist. darum hab ich auch noch gute Courage.+
Von Krieg habe ich lange nicht gehört, weil ich zuviel studirt habe im Ossian #245, ich denke, daß Sie das Spanische Manifest gelesen haben, dieses klingt so sehr kühn, man trift aber den rechten Ton nicht anders, als man müste es aus B lesen, da es dan(n) in einen recht neumajestätischen thon geht, und sich alles frisch vom blatte weg liest.
Wülffing ist wegen einer dummen Geschichte nach Wollgast, da auf Rügen ein Schiff, welches an ihr Haus nach Wismar bestimmt war, verschlagen ist, und die zu vorsichtige Masregeln wegen die Pest es in Pommern so genau nehmen, daß sie die Güter, die aus Hull kommen, nicht wollen löschen lassen, da der schiffer zeug von einem Andern aufm leibe hat, der vor 3 te halb jahr in malaga gestorben ist. und so die Menschen auf die lächerlichste weise alamiren.
Pauline grüßt und schreibt noch selbst.
Ihr Sohn Otto Runge
244 | Das Kind wurde Rudolf getauft.
245 | Stolberg hatte die Ossian Gesänge aus dem Altgälischen übertragen, und Perthes als Verleger hatte Runge dazu angeregt in Art der Flaxmannschen Umrißzeichnungen zur Odyssee und Ilias, Buchillustrationen zum nordischen Homer" zu gestalten. Runge arbeitete mit Feuereifer, allein Stolbergs Abneigung war von gereizter Bezeugung des äußersten Widerwillens", er witterte einen seinem religiös pietistischen Sinn feindlichen Pantheismus, so daß es nur bei den groß angelegten, mit dem Rechte des Künstlers über die Vorlage heraus schöpferisch gestalteten, Skizzen Runges blieb. (Vergl. H. S. I, S. 257 ff.; Alfred Kurella, Ossian, Bln. 1920; Karl Friedrich Degner, Der Durchbruch des nordisch-germanischen Lebensgefühls in der deutschen bildenden Kunst des 19. Jhdts., Westfälischer Erzieher, 7. Jhg. Folge 11; Richard Benz, Die Kunst der deutschen Romantik, 1939, S. 19 f.).
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