Philipp Otto Runge
An seine Schwiegermutter Bassenge
An seine Schwiegermutter Bassenge
--Ich arbeite recht
fleißig, schaffe wohl nicht viel an's Tageslicht, aber es wird doch die Fähigkeit immer größer; und so lange ich
kann, muß ich in die Tiefe dringen. Denn stelle ich mich einmal öffentlich auf, so muß in jeder Hinsicht eine
feste Consequenz da seyn, und, wie es scheint, komme ich mit Gottes Hülfe bald zu etwas.
Liebe Mutter, es ist ein Elend jetzt auf der Welt. Wer aber die Hoffnung fahren lassen wollte, der wäre sehr
erbärmlich und müßte auf Gott nicht vertrauen. Es stehen uns in unserm Leben noch wunderbare Dinge
bevor, und sehr:wahrscheinlich im künftigen Jahre schon. Was ist bey solchen Begbenheiten Hab' und Gut
noch? Haben wir etwas bey uns selbst, so ist dann weit leichter fortzugehen, und so ist es denn unsre
Schuldigkeit, wenn wir es können, das uns zu eigen zu machen, was uns retten, und bey Gelegenheit Vielen
Hülfe, Trost und Rettung werden könnte. Wir sind hier stets auf das Aeußerste gefaßt, denn mit dem
Frieden wird es in dieser Gegend am längsten gewährt haben. Mir ist nicht angst, fürchten kann man sich
wohl mitunter, aber die Angst dieser Zeiten muß doch ein Ende nehmen, und dazu, helfe uns Gottl Adieu,
liebe Eltern; Gott erhalte Sie gesund gebe uns Allen einen freudigen Muth ! -
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