ask23 > Runge: An Carl Friedrich Bassenge (am 5 Juny 1804)*
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Philipp Otto Runge

An Carl Friedrich Bassenge (am 5 Juny 1804)*


An Carl Friedrich Bassenge Hamburg d. 5 Jung 1804

An Carl Friedrich Bassenge (am 5 Juny 1804)*

* = #226

Liebster Vater
Ich freue mich immer, so gute Nachrichten von Ihnen zu hören, und daß Sie so vergnügt auf Jaque seine Hochzeit gewesen sind, mögten Sie es auch so auf unsrer lieben Louise ihrer gewesen seyn, das wünsche ich Ihnen von ganzen Herzen, und ich hoffe doch gewiß, wir alle, ihre Kinder, worunter ich mich von ganzen herzen zähle, sehen uns dort einmahl alle wieder, und da soll es gewiß an Sprüngen, Feuerwerken, u. dgl. nicht fehlen, solte auch hut und Prük #227 drauf gehen.

Schwester Hellwigen in Pleez ist doch auch wieder hergestellt und sind auch sonst alle wohl auf, hier auch, mir ist freylich von Hr. v. Hahn der Auftrag auf die Ausführung des Saals aufgekündigt, da er nichts drin will mahlen lassen, im Grunde kann ich es ihm nicht verdenken und wer weiß, ob er es fertig gesehen hätte, so alt u. schwach wie er ist, und mir thut es auch so weiter nichts. mit meinen Arbeiten geht es jetzt recht gut und mache doch viel fortschritte und so fort an, in Hamburg, wenn man sich dazu versteht zu arbeiten, kann es einen doch nicht leicht fehlen sich zu erhalten, wenigstens hat man keine Beyspiele, und so denke ich nicht, das erste zu seyn, es ist sonst sehr lustig bey uns, außer wenn es so heiß ist wie jetzt, da wirds matt,

Ich bitte Sie, lieber Vater, doch sobald als möglich den einliegenden Zettel an den Wachstuch und Mahlerleinenfabrikanten Hammerschmidt auf der Schäffergasse in Fiedrichsstadt abgeben zu lassen und fals Sie es eingepackt von ihm erhielten, mit fuhr, oder fals keine da ist, mit Post an Schroeder u. Plattner zu besorgen mit bitte es an H(ülsenbeck) R(unge) u. Co. hieselbst anzuschicken, auch mit erster fuhr, Ihre Unkosten seyn Sie so gütig mir zu berichten u. zu notiren, auch die Leinewand zu bezahlen, und wenn Sie wollen auf S. u. P. an zu weisen. verzeihen Sie die Mühe, die ich Ihnen mache.

Daniel hat noch immer sehr viel zu thun, kommen oft Gerüchte, daß Russen und Franzosen hier kommen werden, bis jetzt sind aber beyde noch nicht da. Wülffing ist noch in Tönningen und fast desparat, einer von den Comtoirbedienten ist dort neulich übergeschnappt, so daß sie haben ihn wegschicken und andre Engagiren müssen, es ist ein unerhört mühsames geschäft, im Reich klagen die leute, daß sie sehr geschoren werden, sie wissen aber nicht mit welchen mannigfaltigen schwierigkeiten dort dieses Geschäft verbunden ist.

Lottchen Besser grüßt Sie und unsre liebe Mutter, sie geht noch immer so herum und ist sehr gesund und wohl, auch Perthes und Hülsenbeck seine Frau waren hier mit den Kindern.

Schreiben Sie uns fleißig lieber Vater, behalten Sie uns lieb und Grüßen Sie alle unsre Lieben, wes Nahmens, alters, Characters u. standes sie sind.

Ihr getreuer Sohn

Phil Otto Runge

226 | Am 18. April hatte Runge mit seiner jungen Frau, den Geschwistern und Klinkowström, der nach Hause reiste, Dresden verlassen. In Berlin traf Runge nach langer Zeit endlich Tieck einmal wieder und Daniel berichtet davon, wie Otto ihm davon mit den Worten Kunde gibt: Ich kann wohl sagen, daß ich noch nie so sehr mit ihm übereingestimmt habe, wie diesesmahl, und dennoch habe ich jetzt eine Ahnung davon bekommen, worin wir eigentlich verschieden sind ..." Am 25. verlassen die Reisenden Berlin und bringen Gustav und Mrieken nach Wolgast. Von hier fahren sie am 9. May nach Hamburg ab, wo sie am 13. eintreffen.

227 | Perücke.



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