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Philipp Otto Runge

An Pauline


An Pauline Hamburg den 24 Januar 1804.

An Pauline


Heute, liebste Pauline, denke ich mir nun gewiß ist unsrer Lottwise ihre Hochzeit und du siehst schon so im Geiste deine eigne aufführen, es ist nur wunderlich daß Lottwischen, die die sache so ernsthaft annimt, daß sie selbst eine junge frau darüber wird, es ist doch etwas dumm, daß ich es nicht mit völliger Gewißheit weiß, denn nun kann ich es doch nicht mit Seelenruhe genießen, Lottwise hat die Katzen aber gut gefuttert, denn es ist so vortreflich Wetter, daß ich schon mit der H: im Junfernstieg spatziren bin und hernach mit Perthes auch noch, ich habe recht viel an euch dort gedacht, besonders an dich, du wirst den Junfernstieg gewiß auch recht hübsch finden, wenn wir nur erst zusammen da gehen.

Vorgestern erhielt ich deinen Br(ief) vom 16 u. gestern durch Herr Hoffman den vom 14ten, den ich dir erst beantworten will, den(n) erst beantworten, wegen unser Klein Louischen ist hierin ein brief, der für dich selbst sprechen soll, den(n) noch hab ich ihn nicht geschrieben, was du sonst von Kind seyn darin sagst, darüber will ich mir aller Antwort überheben, und verspare es auf mündlich – da gehts in des Herzens Grund #192 – hm hm! – sage an Tante Haasen, deren Geburtstag den 29. ist und die du in meinen Nahmen gratulirst so wie den Actuaries Georgi, – daß ich ihr einen solchen Tuch mitbrächte, – sage an der frau Mimi, daß ich ihr so viel Hosenträger mitbringen wolte wie Tage im Jahr, da könte ihr Mann alle Tage einen neuen haben und kostete also blos an Hosenträgern, Schaltjährlich, 366 Spezies thaler. wenn sie sich einen Handel anlegen will, so will ich ihr so schöne sachen in diesen Artikel wie seit Sodom und Gomorha nicht gesehn sind mitbringen, denn die werden in Ninivé gemacht.

Nun habe ich wieder einen Auftrag für dich, Tante Haase oder die Georgi; Madam Hülsenbeck möchte nemlich wissen, ob dort zu Markt wol solche Leinwand käme, wie einl:(iegende) Probe, feiner aber, ob die dort zu lande gemacht wird, ob wohlfeil und ob ihr für solche wol 2 siücken, sage zwey stücken, ein blau und weiß – und ein roth und weiß gestreiftest kaufen wolt? welche frage ich zu beantworten bitte.

hierin ein Brief von Enoch, sehr rar geschrieben zu deiner beliebigen Nachricht. es ist doch ein dvatscher #193 Kerl.

von Mrieken habe ich einen sehr guten Brief, sie glaubt doch noch, daß Stienchen und Gustav mitkommen würden, weil Stienchen sich gegen frühjahr eine recht derbe Gesundheit vermuthen wäre – sie schreibt mir auch, daß Jacob uns einen Spiegel schickt und Sie und Stienchen eine kleine Commode, schreibt noch verschiedenes und endigt mit einen Gruß an dich du liebes Paulinchen, mein alter Schatz. Carl, meint sie aber, würde wol nicht mitkommen, da er zu viel Verantwortungen auf sich hätte, das ist ein anderer Ton, der gilt, und ich will nur nichts weiter sagen. ihr sollt es aber schon zu rechter Zeit erfahren was kömmt.

Diejenigen leute, so an Caroline Graff geschrieben haben, sind niemand als Mamsel Hennings und was ich von dir gesagt, ist blut wenig, und eben darum liebes Kind wollen sie etwas wissen, ich dachte, du soltest es doch auch schon wissen, daß ich nicht zuviel von dir erzähle, indessen mögten die leute doch auch wissen, was ein Mensch, der auf die schönen Kinder so wenig sieht, so ein ernsthaft Gesicht macht, und den sie übrigens für Catholisch und närrisch genug halten, sich für eine Braut holen will, sieh das ist die ganze Geschichte und du brauchst nur gar nicht so fürchterliche Anstalten zu machen wie du dich betragen wilst, wenn man sich gar nicht beträgt, hab ich mir gemerkt ist’s allenthalben recht, und alles übrige ist nur verlohrne Zeit.

daß du die Radierungen an mich abgeschickt haben wirst, vermuthe ich, es ist mir außerordentlich lieb, ich vermuthe, daß Klinkowström oder Böhndel mir Nachricht geben werden wie es mit den übrigen steht, schelte den, der dir diesen brief bringt nur heftig aus, ich habe mich wie ich merke auch sehr wenig zärtlicher Ausdrücke darin bedient, so reizt er dich nicht etwas zum Mitleiden, wohlwollen u. d. gl. von deinen Planeten solst du aber nichts erfahren, nicht etwa um dich neugierig zu machen, den(n) das wirst du doch hoffentlich – – nu – – was soll ich nun schreiben? – ! – so schon seyn –, du abgefeimtes Schelmkind, was darin steht? ja! ja! – hm hm! – und und! im grunde weist du es nun doch schon, es giebt feine sprachen in der Welt und darunter sind solche wie wir mit einander sprechen. du liebes Engelskind, ich habe dich recht freßlieb. nun kanst du Lottwise vorsingen „hüt is Hochtid hier", etc #194 –

Pauline ich bin ganz unmenschlich munter, wenn nur erst – wenn nur erst – ich will nichts weiter sagen als: ich habe dich viel Tausend mahl lieb, hiebey ist noch ein Plattdeutsches Lied #195, daß du auswendig lernen kanst.

wie wird es nun aber mit unsrer Reise, schreib mir doch deswegen. Perthes reist den 18 ten von hier und ist den 21. Abends in Quedlinburg, wollen wir das also, daß wir ihm den 22. 23. und 24. dort sehen, so müsten wir es beyzeiten sagen, den(n) sonst bleibt er noch einen Posttag länger hier.

Grüße Alle viel Tausend mahl von meinetwegen, Glück und Segen über Peßler und seine Frau von deinen

Otto

192 Vergleiche Paul Flemings „Wie es wolle geküsset sin" (S. 179, Anm. 162).

193 dwatsch ist plattdeutsch und heißt im Sprachgebrauch soviel wie komisch, ulkig, verrückt.

194 Es ist ein plattdeutsches Hochzeitslied, das Runge aus Pommern kennt. Er sandte es später an Achim von Arnim. (vergl. S. 352).

195 Das an Pauline übersandte Lied befindet sich nicht mehr bei den Handschriften, es handelt sich aber wohl um das „Hochzeitslied aus Pommern". (vergl. S. 352).


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