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Philipp Otto Runge

An Pauline


An Pauline Hamburg d. 20. Januar 1804.

An Pauline


Meine Liebste Pauline
Gestern erhielt ich deine beyden Briefe vom 10. u. 13. ds. #185 Du schreibst mir auch recht fleißig, so daß man sich darüber hier moquiren will aber nur im Spaas, mir ist es aber recht lieb, und da du solches auch an mir rühmst, so will ich dich ganz erstaunlich gerühmt haben, das wird mir auch gar nicht schweer, denn ich rühme und Preise dich immer fort, wenn ich mir das so recht denke, wenn wir uns wiedersehen werden, Pauline, meine süße Pauline heut ist Fabian Sebastian, da geht der saft in die beume, nun wirds bald frühling nun ich habe noch genug hier zu thun, wenigstens könte ich genug thun in der Zeit, und es wird mir im Sommer recht zu statten kommen, mir so schön vorgearbeitet zu haben, für deine Danksagung sage ich dir den Verbindlichsten Dank, wenn du mich nur küssen wilst, ich verlange darnach mit allen Sinnen, und will dir gewiß antworten, gewiß Paulinchen man kann sich doch mit einen Kuß mehr sagen wie in 10 Briefen schreiben, und das schreiben wäre recht unnüz, wenn ich mich anders helfen könte, wenn sich deine lieben lippen aufmachten und ich könte dir das Wort so vom Munde wegküssen, daß ich deinen süßen Oden in mir saugen konte, ich wuste doch besser wie du mich lieb hattest, und das ists doch eigentlich, wo nach mich immerfort verlangt. und immerfort will ich dich um deine Liebste Liebe dienen, ich werde dir gewiß recht von herzen viel zu sagen haben, wenn ich dich nur wieder sehe.

Mit Caroline ist es nun recht gut, die ist diese Woche 3 Abende aus gewesen, ein mahl hier, 1 mahl bey Sievekings und bey Manchens, die dich und Mama sehr viel grüßen lassen. Lotte erwartet Besser heut oder Morgen zurück, es ist seit den lezten mahl schon wieder feuer gewesen, war aber gleich aus, bey der Schiffergesellschaft war ein guter Trubel und als geschossen wurde, sahen die 2 leute oben auch heraus, ich dachte an andre leute die künftig heraus sehen werden. Albertis sind auch mit einer Hochzeit beschäftigt, die wol in 3 Wochen werden wird, es ist mir unter uns gesagt doch curjos, wenn die beyden leute so ernsthaft gegen einandersitzen, sie ist 13 Jahr älter als er, du kanst dir denken wie das ist, ich muß immer denken wie wirs anders machen, und wolten es ihnen schon zeigen wie man nicht so aufs bloße zusammensitzen erpicht ist. es ist aber auch schweer sich zu betragen, wenn man in solchen Verhältnissen Braut und bräutigam ist, glaube ich. o! wäre ich doch bey dir.

unser kleiner August hier ist krank, er hat ein Art fieber. die Hülsenbeck ist auch krank, es ist recht eine Krüppeley, der Kleiderschrank ist hier aufgeschlossen, und ich habe, um ihn an seinen künftigen Stam(m) zu gewöhnen, meinen Reisemantel hinein gehängt, er beträgt sich sehr gut. mit deinen traum wirds nun wol nicht so ganz zutreffen, denn mit meinem dick werden ists nicht weit her, und ich glaube eher das gegen theil um mir nicht zuviel zu schmeichein und mit deinen dünn seyn ists wol ebenso, sonst aber mit den verschwinden, das thue ich nicht, es ist alles auf der unrechten stelle in dem Traum, sonst sehr gut geträumt, fahr nur so fort und es wird dir nicht fehlen manche Ueberraschung zu haben.

Von Klinkowström habe ich noch keinen Brief erhalten, du kanst ihm das gelegentlich in die Nase reiben, vieleicht hat er mit der fahrenden Post die farben geschickt und dabey geschrieben.

Von Marie #186 ist es recht schön, daß Sie dir noch ein Portrait gemacht hat, ich wolte, ich könte ihr wieder was zu gefallen thun. Grüße sie wenn sie noch dort ist herzlich, ich wünsche ihr viel Glück.

Ich denke Carl und Gustav werden doch wol mitreisen, Carl schreibt mir noch nicht in Antwort auf mein wehrtes, daß er, wenn sonst niemand wolte mit käme, sonst hätte er nicht so Zeit. sie meinen Daniel würde mitreisen, aber daraus wird doch nichts. Carl hat auch auf eine sehr feine Art meiner beyden Hrn Reichsgrafen #187 erwähnt, woraus vieleicht recht was gutes für uns kommen kann. er führt nemlich ein altes Gotisches Schloß ganz neu wieder auf, woran er sehr viel Geld wendet, weil er mahl auch was rechts bauen will, und der hats geld. er hat gefragt, ob ich ihn wol so einige Zimmer mahlen würde, kurz ich werde das sehr schön einzurichten wissen.
Ich küsse dich Tausend mahl du süßes Blut.

Dein Phil Otto R.

185 | Datums.

186 | Maria Alberti hatte, bevor sie von Dresden nach Münster ging, von Runges Braut ein Portrait geschaffen.

187 Erblandmarschall Graf von Hahn aus Remplin in Mecklenburg plante sich von Runge einige Zimmer seines Schlosses ausmalen zu lassen.


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