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Philipp Otto Runge

An Pauline


An Pauline Hamburg d. 17. Januar 1804

An Pauline


Meine liebste Pauline

Ich danke dir viel Tausend mahl du lieber Engel für deine beyden briefe, die ich vorgestern alle beyde erhalten habe. hierin erhälst du einen Brief für Maria, #181 worin eine Anweisung von 211 St. 12/ auf H. W. Bassenge u. Co., die mir die Mutter von ihr zu besorgen gebeten hat, grüße sie recht herzlich von mir, ich wünsche recht sehr, daß es ihr gelingen mag, in eine vortheilhafte(n) Lage zu kommen, den(n) mich dünkt Dresden muste doch die lezte Zeit immer drückender für sie werden, ich wolte recht gerne, wir hätten ihr mehr helfen können oder könten es ins Künftige noch, und ich denke noch immer daran, daß ohne sie, wir doch gewiß nicht so gut und geschwind zu diesen Augenblick gekommen wären, worin wir nun gegen ein ander schreiben und uns freuen, daß er bald noch der allerschönsten Zeit Platz machen wird. solte sie nicht mehr da seyn, so solte ich dir bitten, den Brief nur an fr. Dr. Rehkopf zu geben, der Sie ihre Angelegenheiten dort wol wird aufgetragen haben. ich lasse den Brief auf, so kann diese, wenn es nöthig, die Assignation gleich eincassiren. Grüße die Dr. R. recht herzlich von mir, ich würde sie auch gewiß bald besuchen, denn ich müste einer gewissen sache halber doch nach Dresden reisen, wovon ich gewiß sehr viel Vergnügen haben würde.

Grüße auch recht von herzen an die leute nach hinten bey der Dr. R. und mache ihnen eine ähnliche Versicherung. Lienchen ich habe dich gewiß immer lieber und lieber. es ist recht gut, daß wir so zu sagen doch jezt Bergunter gehen mit den 20 Wochen, die doch keine 20 Wochen werden, sage mir Liebes Lienchen, ach du altes Engelskind, ich nenne dich recht gern Lienchen und wenn du meine frau bist, will ich es gewiß auch noch immer thun, es wird gewiß recht unmenschlich hübsch werden, wenn du erst hier bist, wenn ich aber recht an dich denke, und ich sehe deine liebe Gestalt so vor mir, so ists mirs immer als könt es nicht möglich werden, ich komme mich dann gar nicht so vor, als daß ich so eine hübsche frau haben könte, ich will dich aber gewiß immer so lieb haben wie kein Mensch dich haben soll – und du denkst das auch nicht, das weiß ich woll, aber ich kann mirs nun doch nicht erwehren zu denken. – sage mir doch liebes Kind, wir treffen den 17. Apr. in Leipzig ein. wie lange meint ihr woll, daß wir uns da aufhalten, denn wenn es möglich wäre, so richtete ich die ganze Geschichte so ein, daß wir Perthes in Quedlinburg #182 träfen, es wäre für uns weit besser in Q: und für ihn auch, weil wir in L:(eipzig) ihn von der Arbeit abhielten und doch nicht recht sprechen würden, auch würden wir in Q: weit lustiger die Gegend genießen können, da sonst die Sophie B(esser) die einzige ist, die mit uns seyn könte, den(n) der Papa ist alt u. steif, und der fritz ist bey seinem Meister. Enoch seine Hochzeit ist am Sontag Palmarum, also ohngefähr 14 tage vor der unsrigen. dann bin ich schon bey dir und wir feyern die in Dresden mit. ich habe ihn geschrieben liebes Kind, er hat es mir damahls angebothen bey ihn zu logiren. und wenn wir in Leipzig beysammen wohnen können so ists doch hübscher oder möchtest du es so lieber?

Grüße doch an Caroline Graf meinetwegen von der Emilie Hennings. #183 und die sowohl wie Sievekings haben mir gebethen, sie mögte doch mit uns kommen, du kanst sie nur ordentlich dazu bitten. grüße auch an Mama u. Papa Graff item Jette. Sontag ist ja wol wieder Ball, à propos – das Petschaft hat den Daniel sehr gefallen, er meinte, die rechte Liebes Correspondenz ginge nun erst loß, so 2 briefe auf einmahl und dann so gesiegelt. Grüße den Vater und die Mutter, der Vater hat es mit der Bescheerung recht gut gemacht. wir freuen uns alle darauf, wenn du erst hier seyn wirst. gestern Abend war ich mit P.(erthes) und Caroline bey Sievekings u. vorgestern waren sie hier, sie ist etwas besser, es grüßen dich alle. nach Mecklenburg habe ich einen gesalznen Brief gehen lassen #184, ich hoffe er soll wirken. Ich habe nicht viel Zeit, Adieu du Dux, mein liebes Egelchen, nun bleib ich noch 7 Wochen hier und dann –

behalte mir nur all die Küsse, die meinigen vergebe ich nicht.

Dein Phil Otto Runge


181 gemeint ist Maria Alberti, deren Mutter in Hamburg wohnte. Die Malerin trat zum katholischen Glauben über und ging nach Münster, wo sie Nonne wurde.

182 Perthes wollte nach der Leipziger Frühjahrsmesse seines Teilhabers und Freundes Bessers Eltern in Quedlinburg besuchen.

183 Hennings, dänischer Kammerherr in Plven war mit Frau Sieveking verwandt, er war ihr Schwippschwager.

184 Philipp Otto schrieb an Gustav, der in Brunn bei David Landwirt war, am 14. 1. 1804 (H. S. II, S. 257), weil er nicht mit nach Dresden kommen wollte.


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