Philipp Otto Runge
An Pauline
An Pauline
Liebes Lienchen.
Gestern habe ich deinen lieben Brief vom 31ten und 2. Januar, ich wolte dir gerne recht viel schreiben aber ich kann nicht recht, ich habe mich vorgestern, wie ich die Hülsenbeck im Wagen helfen wolte, den rechten Daum gestoßen und das ist etwas schlimmer geworden, daß er mir steif ist, nun kann ich nicht recht arbeiten, weil ich ihn da doch gebrauchen muß, so etwas ist recht ärgerlich, wenn man verhindert wird und es fehlt einen sonst gar nichts.
Ach liebes Paulinchen, mir ist diesen Winter doch auch so albern, ich habe so unmenschlich Lust zu mahlen, kann aber nicht dabey kommen, es kann auch eher nichts daraus werden wie im frühjahr, das wird aber auch ein frühjahr werden, Pauline wir werden gewiß recht glücklich seyn, wir wollen unser glück aber auch fest halten, und gut anwenden, daß wir auch in der Kraft größer werden, Pauline, ich habe dich recht ernsthaft lieb, recht mit dem größten Ernst, und mich verlangt immer mehr einmahl mit dir von Herzen recht lange zu sprechen, so recht ruhig liebes Kind sind wir noch nicht zusammen gewesen wie wir es werden seyn können, wenn du erst meine frau bist, und so hübsch es war auf der kleinen bank im Garten (ich habe dieser Tage doch recht daran gedacht), so wird es doch gewiß im künftigen Sommer noch viel hübscher werden, und wir können auch hier nach Hülsenbecks Garten herausgehen und die Nacht da bleiben. ich wüste nicht, daß ich mehr Sorgen hätte, sie müsten den(n) noch kommen, ich sehe aber, daß noch alles recht wohl gehet, aber liebes Kind, du wirst mich doch nicht weniger lieb darum haben, wenn ich den Sommer etwas viel Zeit auf meine Arbeit verwende, ich denke doch immer bey meiner Arbeit nur an dich und du glaubst nicht wie lieb ich dich habe, gewiß meine Pauline keine Begebenheit ist mir so groß und so wichtig in aller Welt, als daß ich dich meine süße hälfte gefunden, deine freudige Liebe, die du von Anfang an zu mir gehabt hast, ist mir immer lebendig und gegenwärtig, und das größte Vertrauen und die größeste aufrichtigkeit, die ich zu einen Menschen haben könte, habe ich zu dir, und ich weiß es gewiß, du wirst mich auch verstehen, schreiben kann ich es dir nicht, wie wunderschön und groß mir unsre Zeit manchmahl erscheint, daß wir jetzt in der Welt sind, ich kann dir nichts schreiben wie mir zu muthe ist, wenn ich bisweilen zaghaft werde und nun die Liebe wieder mit voller Gewalt vom Himmel zu mir kömmt, daß ich felsen baue auf Gottes Güte.
Lienchen diese Nacht treumte mir, daß du mich an dein Herz drücktest und mir einen so herzlichen Kuß auf dem Mund gabst, daß ich davon erwachte, ich habe dich aber im innersten meines Herzens lieb, und kann es niemand so sagen wie dir, wenn ich dich nur erst wieder sähe, du süßes, liebes Engelskind.
Bitte doch die Mutter, daß sie mir 2 Spiegel kauft, den einen mögte ich aber mit einen ganz glatten, das heist viereckten, einfachen schwarzen oder braunen Rahm haben, à 16 Rh das stück, alles übrige werde ich dieser Tage anfangen zu besorgen.
Von Trinetchen Claudius, die jetzt in der Stadt ist, soll ich dich sehr grüßen und ich soll diesen Abend noch hin kommen, ich habe heut von ihr den fächer gekrigt, der soll als ein merkwürdiges stück unter den andern Ungeziefer in der Schiffer Geselschaft aufgehangen werden. morgen kömmt sie wieder fort und einen von ihren schwestern krigt die Wache, Caroline ist wirklich recht elend und ich wünsche nur, sie hätte alles überstanden,
Gestern wie ich deinen Brief krigte, war ich eben ausgewesen und hatte mir alle 24 Planeten gekauft, ich werde dir deinen mitbringen, es stehen aber schöne sachen darin und ! Lienchen soll ich mich nicht freuen? daß du meine frau wirst 1804 ist es nun schon, ich freue mich ganz unmenschlich über dich, wenn wir nach Leipzig reisen will ich mir dein Arangement gerne gefallen lassen, wenn aber Enoch Plaz für uns beyde haben solte, so wäre es doch wol noch besser und Peßler wird doch auch wol knapp werden. ich will schon alles gehörig schön zusammensuchen, mich dünkt auch, Ennoch hat mir es schon gesagt, und er wird dan(n) auch schon seine Elischen #176 haben.
Wegen Daniel hast du ganz recht gemuthmaßt, und es ist auch so besser als er setzte sich in seinen Geschäften zurück, und wir hätten dann den Sommer nichts von ihm, so kömmt er aber mehr durch, und ich mögte gerne mit ihm sprechen, wie er es gar aus machen könte, so viel zu arbeiten.
die hälfte Zeit ist es nun, daß ich von dir und hier bin und dauert mich, daß es nicht mehr ist, wollen aber schon sehen was wir uns den winter vorarbeiten können, ich werde gewiß recht lustige Arbeit haben, den(n) die trockne thue ich diesen Winter ab. es wird doch unmenschlich hübsch seyn, wenn ich erst mit dir in der Schiffer Gesellschaft bin, und dort deine Schiffergeselschaft genieße, es erneuert und bestätigt sich über mich jetzt ein alter ausspruch, das jemand mahl von mir sagte, ich sähe aus wie ein reisender Schiffscäpitän zu Lande, ich mögte dich ganz erstaunlich gerne mahl recht küssen, dein süßes Mündchen.
Wenn Louise ihre Hochzeit ist, must du mir doch schreiben, so gechwinde du kanst, sonst kann ichs ja nicht mit Seelenruhe genießen, es ist auch recht artig von dir mein gutes Kindchen, daß du recht zu Neujahr herum gewesen bist, ich kann es mir auch von vorigen Neujahr noch erinnern, daß du mir es hernach erzähltest und der Vater hat ganz recht; wenn du jemand sprichst, der nach mir frägt, so grüße nur immer an alle werthgeschätzten anverwandten, für jeden Gruß gebe ich dir 2 Küsse, wenn du sie haben wilst, wen(n) du aber mehr haben wilst, von Herzen gern; Lienchen schreibe mir nur immer, daß du mich lieb hast, ich habe dich dafür nicht allein wieder lieb sondern auch so, du gutes Kind; ich danke- Gott allezeit von herzen, daß du nicht ein Geistreiches und sehr verständiges Frauenzimmer bist, und daß du mich dafür von Herzen lieb hast ich kriege doch die allerliebste Frau, so kann mich doch niemand lieben, Lienchen und wenn du nun noch so einen galanten und hübschen und vortreflichen Menschen zum Mann gekrigt hättest, und er hätte die Liebe nicht, was hättest du dann für Freude am Leben, die Liebe aber, die wir zueinander haben, soll sein ein voll gerüttelt, geschüttelt und überflüssig maaß, die Liebe ist aber auch aller Weisheit eine lebendige quelle, daß wir unsere Lust bey uns haben werden immerfort, wenn ich deine lustigen muntern Augen nur erst wieder sehe, und daß du doch auch den Schelm im Nacken hast, nicht wahr du bist doch ein Schelm und? ach du altes, gutes Kind, ich habe dich viel tausend mahl lieb.
ich will es dir und den Vater, und leztern besonders, überlassen zu bestimmen, wann unsre Hochzeit seyn soll, ich dachte früher zu kommen wie die andern, da die so lange nicht werden abkommen können, da ich aber Daniel seinen Wagen nehme, so habe ich an Mrieken und Stienchen geschrieben, daß sie mit mir reisen solten und daß Carl und Gustav dann zur Hochzeit nachkämen mit David seinen (Wagen) und sie wieder abholten. habe aber noch keine Antwort, und es läuft noch 9 Wochen Wasser bergab bis soweit. es wird noch lange hin sein, den(n) diese 9 Wochen kenn ich noch nicht recht und weiß nicht wie lang sie sind, lerne sie auch nur so tage weise kennen.
Grüße Mama, sie solte sich so viel Umstände mit bedanken nicht machen, da sie noch nichts hätte. Grüße alle so wie du von allen gegrüßt bist
bis in Ewigkeit dein treuer Otto
176 | Elisabeth.
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