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Philipp Otto Runge

An Pauline


An Pauline Hamburg am heil 3 Königstag 1804.

An Pauline


Mein Paulinchen
Ich habe gestern den ganzen Tag auf einen Brief gehofft und heut bin ich um ihn abzuwarten den ganzen Tag hier unten im Comtoir gewesen und endlich, da er kömmt, so bin ich eben heraus gegangen und Daniel, wegen heftigen Posttag, legt die Briefe bey sich hin, so daß ich wie ich wieder herein komme, aus bloßem Instinckt nach die Briefe greife, den(n) das thue ich immer, wenn sie auch von Schweden kommen, so denke ich beständig, es sind doch Briefe und da könte doch auch wol einer von dir darunter seyn, – Lienchen, ich werde mit jeden Tag Sehnsüchtiger und unruhiger, ich denke so oft, daß es nur noch 2 Monat bis zu meiner Abreise ist aber es will alles nichts helfen. Liebes, liebes Paulinchen wilst du immer so munter seyn, wenn du erst mein bist? ich freue mich noch Tod wenn ich dich wieder sehe, wenn du mir aber einen Kuß geben wilst, so bin ich wieder lebendig.

Sage an unsre liebe Mutter ich würde an ihr verschiednes nächstens schreiben, wegen den Zeuch zu den Matrazen habe ich ihr geschrieben. Daniel ist in der Hitze des Posttags und ich auch, ich soll heut abend bey Albertis #173 seyn, der Mutter ihr Geburtstag ist heut, Mumsens #174 werde auch wol da seyn, nun ist es schon ziemlich Zeit und nun soll ich Mad. Hülsenbeck u. Mad. Heyn noch zu der französischen Comedie bringen, welches am andern Ende der Stadt ist. aber weil es dir doch so sehr freut einen Brief von mir zu erhalten, so schreibe ich dir immer fort, daß du mein einziger Trost und freude bist, immerfort du süßes Blut, – du wirst nun wissen, daß ich mitte März komme, mit Daniel seinen neuen Wagen über Berlin, sobald ich von Wollgast das Resultat der Neujährigen Rathsversammlung aus Brunn werde erhalten, werde ich und du es zugleich haben. ich habe deshalb viele Pläne nach dorten an Hand gegeben. Daniel wird wol nicht können, indem das Geschäft mit Tönningen sehr groß und dringend ist und so wie das Wasser auf kömmt, es mit Wismar ebenfalls der fall seyn könte, ich werde hiervon aber Gelegenheit nehmen, ihn manches andre ins gewissen zu schieben, daß er sich in eine weniger mühsame lage versetzen möge etc.

Mein Liebstes, süßes, unendlich liebes Lienchen wenn ich dich nur erst wieder in meinen Armen habe, sage den Vater nur, es könte leicht seyn, daß ein paar Tage über die Mitte März ins Land kommen könten, auch solte er sich an dergleichen, wie küssen etc wäre, nicht stoßen, warum er mir die Einwilligung gegeben hätte, daß wäre nun zu spät, hätte eher bedacht werden sollen, daß dergleichen vorfallen würde und so weiter – im Grunde verehrte ich ihm doch auch in seiner allerliebsten Tochter und könte das gegen ihn selbst nicht so schicklich durch küssen an den Tag legen.

Lienchen sey nicht böse über den dummen Schnack, ich habe dich viel Tausend mahl lieb, ich bin heut den ganzen Tag wie vernagelt gewesen, nun, da ich deinen lieben lieben Brief habe, ists ganz anders.

Wegen unsrer Wirthschaft wird soviel nicht auf sich haben und ich werde manches unterlassen, was du dir selber kaufen kanst. Ich küsse dich in Gedanken tausend mahl auf den Mund. Ich nur und die liebste Wissen wie wir uns recht sollen küssen. #175

Grüße alle vie von deinen

Otto

173 Alberti, der Prediger an der Hamburger St. Katharinenkirche war, starb während seines Streites mit dem Hauptpastor Goeze schon 1772 und hinterließ in den dürftigsten Verhältnissen seine Witwe mit elf Kindern. Sievekings setzten sich damals für die Familie tatkräftig ein.

174 Dr. Z. Mumsen (1737 – 1819) war Arzt in Hamburg und später in Altona. Er gehörte zu den nahen Freunden Klopstocks und seines Kreises.

175 Aus dem Gedicht Paul Flemings (siehe S. 179, Anmerk. 162).


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