Philipp Otto Runge
An Carl Friedrich Bassenge
An Carl Friedrich Bassenge
Liebster Vater
Ich hoffe, daß Sie und Mama nebst alle übrigen recht munter sind, und daß Sie auch bisweilen an mich denken ich habe eben recht heftig von Sie geträumt, daß ich vor ihren Hause vorbey ging, und das kleine Louischen aus den fenster sah, habe Sie auch hernach alle recht wohl gesehen. Ich wolte, ich konte das auch recht bald so wachend, und ich freue mich unmenschlich über 1804. nehmen Sie es nur nicht übel, daß ich so närrisch bin, ich kann es nun aber nicht helfen, ich bin den ganzen Tag grimmig über mich, daß ich arbeiten will und wenn ich es nun noch so gut mache, so geht es im Träumen desto schlimmer, ich werde aber schon gesetzt werden, wenn ich nur erst Ihr Schwiegersohn bin, und mich sozusagen ordentlich bilden. Lieber Vater, schreiben Sie mir doch zur rechten Zeit, so daß ich es nach Wollgast schreiben kann, wie ich mich in Ceremoniöser hinsicht, wegen abkündigen und dgl. zu betragen habe. Sie sprachen einmahl mit mir darüber, daß Sie uns in der Reformirten Kirche #172 wolten trauen lassen, ich wäre es auch gerne zufrieden, weiß aber nicht wie mein Vater darüber denkt, und mögte nicht gerne etwas thun, das ihm nicht recht wäre, wenn Ihnen es also nicht unpaßlich ist, und es nicht viel umstände erfordert, so bitte ich doch, es anders zu machen, sonst schreiben Sie mir darüber. Lassen Sie sich das Rauchfleisch und Louise ihre Hochzeit gut bekommen, ich grüße alle von ganzen Herzen.
Ihr getreuer
Phil Otto Runge
172 Die Bassenges waren als französische Refugiés reformierten Glaubens.
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