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Philipp Otto Runge

An Maria Friederike Bassenge


An Maria Friederike Bassenge Hamburg d. 16 Dec 1803.

An Maria Friederike Bassenge


Liebe Mutter

Ich muß doch auch einmahl grade zu an Sie schreiben, um von Ihnen wieder auch etwas zu erhalten, überdiß habe ich jetzt eine Wohnung für uns gemiethet, die nähere Nachricht davon steht in Paulinchen ihren Brief, wo selbst solche zu erfragen, ich glaube nicht, daß wir die Lage für uns und alle unsre Freunde bequemer gefunden hätten besonders für Daniel, der doch nun alle Tage bey uns vorsprechen muß, da es so dicht an der Börse ist, es ist mir unter uns gesagt, liebe Mutter, recht sehr ernst mit den bald wieder kommen, so daß ich mit Pauline den Vater zugleich nach Leipzig zu bringen gesonnen bin, es wird wol so kommen, daß ich Daniel seinen neuen Wagen, der noch in Mecklenburg ist, mit bringe, und so kann der Vater sehr bequem mit uns fahren, der Winter ist eine sehr schlimme sache, nicht blos darum, weil ich doch nicht recht zusammen bin, ich habe zwar hier unten meines Bruders stube und oben Mad. Hülsenbeck ihren großen Saal ein zu kommen, aber der ist doch schweer zu heitzen und durch dergleichen körperliche Anannehmlichkeiten wird man in der Arbeit gar sehr gestöhrt, da es für mich hier so Zerstreuungen genug giebt, und ich noch gar nicht ruhig geworden bin, und werde es auch schweerlich eher werden, bis ich das Paulinchen wieder habe.

Ich denke, Sie werden es, so wie der Vater auch, sehr wohl einsehen, daß es nicht anders seyn kann, als daß ich suche, im frühjahr bald hier zu kommen, da mir der Sommer sonst verstreicht, und man den Sommer so nicht wieder kriegt, bis man wieder einen Winter gewartet hat, da ich auch mit zu vielen bey mir selbst beschäftigt bin, um noch nach außen eine so unruhige existenz erdulden zu können, so ist es ganz vernünftig, sich fest zu setzen, und deswegen werde ich Stühlen, Tische und was sonst noch zum rechten Sitzen erforderlich ist, vor meiner Abreise anschaffen. Das Logis, wo wir einziehen wird zwar nicht vor Himmelfahrt geräumt, es ist aber besser, wenn wir etwas vorher hier sind, hier im Hause sind sie dann aufs Land gezogen, und wir können hier dann so lange recht gut einziehen, fehlt auch sonst nicht an Raum im Sommer. und können uns sodann mit Bequemlichkeit einrichten. seyn Sie so gut, liebe Mutter, und geben mir nun aus deswegen, waß ich nothwendig anschaffen muß, einige Nachricht mit Paulinchen zusammen so thue ich mich wieder hier mit den Weibern zusammen, und so wird am Ende eine Charmante Geschichte heraus kommen.

Von Wollgast habe ich einmahl nachricht, werde auch heute wegen Mrieken und Stienchen wegen der Reise schreiben, an Carl ist es schon geschehen. ich denke von Vater werden sie wol einen Brief haben, er sagte mir neulich, daß er blos auf die Nachricht von Ihnen wartete, daß die Lottwise eine Braut wäre, um sich in einigen Briefen die Gelegenheit zu nehmen, Ihnen vieles zu sagen.

#1 schreiben Sie, liebe, Mutter mir mahl in einen Privatbrief, ob Pauline auch munter ist, ich kann es aus Ihren Briefen woll denken wie sie sich befindet, kann aber niemahls genug von ihr zu wissen kriegen, und es ärgert mich immer, daß unter 50 Briefträgern und Stafetten, die hier im Hause kommen, nur immer einer ist, der mir Nachricht von ihr bringt.

Grüßen Sie an den Vater von herzen und meine klein Louischen, Mama Melizet auf französisch, Georgis und Loewens, auch an Graffs.

(am Rand:) Vater sein Einschluß ist sogleich abgegeben, er wird auch wol schon antwort haben.

Ihr Sohn
Phil Otto Runge

1 | in diesem Abschnitte ist der Brief beim Öffnen mit Textverlusten beschädigt, da es aber nur jeweils einzelne Worte sind, konnten sie leicht geschlossen werden.


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