Philipp Otto Runge
An Pauline
An Pauline
Mein Liebstes Paulinchen, Zuerst meine Küsse und Gedanken auf deinen lieben Mund, und meinen Gruß zu vor, ich wünsche, daß du zufrieden und ruhig bist, ich denke alle Zeit an dich, und hoffe noch den 30 Nov. in Hamburg zu seyn, hier bleibe ich bis freitag oder Sonabend.
Ich erhielt deinen lieben Brief noch in Leipzig wie ich am Sonabend zu hause kam, ich freute mich so sehr, daß ich ordentlich grob gegen Richter wurde, wie er mich einige mahl im Lesen unterbrach, ich bin aber noch den Sontag mittag dort abgefahren, und habe deine Grüße an Elisabeth noch bestellt und sogar einige Küsse, um mich an dich und Enoch zugleich zu rächen, von der Ostermesse her, waren aber auch delicat, ich vermuthe es sind die deinigen gewesen, die Enoch an ihr abgegeben hat, und die durchs copiren nur etwas entstellt waren. ich soll dir schreiben, ob die E(lisabeth) hübsch ist? nun ja, so wie jedes gute Kind auch gut aussehen muß, wenn der Mensch inwendig hübsch ist, so hält er sich von selbst auch äußerlich so. sie ist ohngefähr gewachsen wie die Louise M:(illern), nur nicht woll so dick, eine kleine Stumpfnase, die ihr aber gut steht, hell braune Augen, die einen recht klug und ehrlich ansehen und auch einen hübschen Mund, aber Pauline es ist wunderlich, wenn ich dir so was schreiben soll, du must nicht eitel werden, aber glauben kanst du mirs, ich kann nichts so loben, ohne es lächerlich zu finden, so nicht gleich dir zu sagen, du bist doch viel Tausend mahl hübscher. wenn ich dein liebes Gesicht sehe, so ist mir alles andre nicht mehr begreiflich. liebe Pauline, nimm das als keine schmeicheley, sondern nur wie ich dich lieb habe, ich mögte doch nichts an dir anders wünschen, weil ich denke, ich mögte nicht immer so durch dich sehen können wie ich jetzt alles sehe was du denkst, du liebe Seele, es ist recht gut, daß du es nicht so verbergen kanst wie lieb du mich hast, oder wie verliebt du bist, das ist ja ganz gut und natürlich köntest du das verstecken, so köntest du auch was anders verstecken, und du weists auch viel zu gut wie lieb ich dich habe. Wenn wir im frühjahr nach Hamburg reisen, begleitet Richter und seine frau uns ein Stück. ich soll dich noch viel Tausend mahl grüßen auch an die Eltern vor allem, +in Naumburg kam ich in der Nacht, ich ging mit einen ander Passagier hinter Schuhlpforta den Berg hinauf, es wehete stark und ich fühlte recht gut wie du mich warm eingefaßt hattest, es ist wunderlich, wenn man eine Gegend nicht kennt und sieht so eine schöne Gegend im Dunkeln, man sieht nicht viel, fast nichts, da wir eher oben waren wie die Wagen, legten wir uns im lieben Wind im Graben und sahen über uns die Sterne, das wahr ohngefähr um 4 Uhr morgens, so bin ich mit der Kutsche bis Buttelstädt gefahren, wo wir kurz zuvor Regen krigten, von dort geht die Herzoglich Weimarsche Fahrende Post mit einen Schubkarrn nach Weimar oder höchstens mit ein Pferd, ich ließ also meine Sachen mitnehmen und ging selbst zu fuß einen richtsteig, so daß ich zwey gute Stunden früher hier war, logire hier im Elefant, aber nicht sehr elegant, geht aber noch an, und neben an, wohnt der Hr. Regierungsrath Vogt der in Dresden noch mit Tiecks auf der Gallerie war wie wir Abschied nahmen, wo ich heut abend bin. wir haben eben das Schloß gesehen, welches inwendig recht elegant ist, finde aber eben nichts darin, was mich verlangen könte gemacht zu haben. ich meine angegeben im Ganzen ist doch gar keine Anordnung, wie auch ganz natürlich ist, wenn man die Entstehung desselben kennt, Morgen werde ich die Ehre haben den Herrn Geheimen Rath v. Göthe+ zu sprechen. es ist ein närrischer Ort, gestern abend bin ich auch in der Comedie gewesen, welches ohngefähr so ist wie aufm Lande, nur ein bisgen eleganter und wird besser gespielt, es ist ein curjoser Ort, das Weimar, mein liebes Paulinchen, du altes gutes kind.
Weiter am 16.11.
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