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Philipp Otto Runge

An Pauline


An Pauline Leipzig d. 11 Nov 1803

An Pauline


Pauline, meine süße Pauline, könte ich dich doch jetzt sehen, nur einen Augenblick, daß du mir sagtest, daß du nicht böse auf mich bist, ich verdiene es gewiß nicht, du liebstes süßes Kind ich weiß es, welche Qual ich dir in der lezten Stunde machte, aber das glaubst du nicht, das(s) ich dich nicht liebe? ich bitte dich alles was ich kann, ich war nicht ich selbst, der lezte Augenblick wie ich fortging, brachte mich wieder zu mir, ich habe zu hause geweint und den andern Morgen, daß ich dich nicht wiedersehen konte, sieh ich quäle mich und werde nicht ruhig bis ich einen Brief von dir habe, daß du mein süßes liebes Linchen bist, – Pauline – du liebe Seele – habe ich dich den(n) nicht immer geliebt? und wenn du das denken köntest, ich will dich doch lieben, so lange ein funken leben in mir ist. und nun liebstes Kind kann ichs wol begreifen, warum ich so wunderlich war, den ganzen Tag hatte ich herum getrabt und von jeden hören müssen, nu heut Abend werden sie recht weinen. die Löwen war noch die lezte, ich war verdummt,

Sieh ich könnte dich so 2 Bogen lang immerweg bitten, daß du mich doch recht lieb haben sollst, du hast mich auch lieb, aber der kleinste Pflecken in deinen Zutrauen zu mir drückt mich unendlich bis ich wieder etwas von deinen lieben hand sehe, ich küsse dich tausendmahl aus herzens Grund und drücke mir die Augen zu an deinen Halse, mir ist als müste ich jetzt schon wieder kommen – so sehnlich und sehnsüchtig verlange ich nach dir du Engel.

Richter ist bey seiner Elisabeth und ich sitze unter deß bey dir, die küssen sich noch weit mehr wie wir uns geküßt haben, sie ist recht nett, aber mein Paulinchen ist doch viel tausend mahl süßer, du altes Paulinchen.

Ich kann gar nichts an dir schreiben, wenn du nicht lauter Ausbrüche haben willst wie ich hier sitze und nur an dich – dich – denke. es wäre mir gar nicht unglaublich, wenn ich in diesen Augenblick bey dir Spuckte, so sehr bin ich bey dir, die Ohren klingen dir gewiß, es ist nun halb 9 freitag Abend,
Richter sollte diesen Abend in Gesellschaft mit seiner Mutter seyn, ich bin aber die Abhaltung und ihm zugefallen, und um dich recht viel schreiben zu können, und so allein, ungestört, ging ich zu hause.

Du bist doch meine liebste Pauline, ist Klinckowström nicht bey dir gewesen und hat dir von Meißen einen Gruß gebracht? ich habe alle unsre Plätzchen wieder gesehen, wie ich aus Klappendorf fuhr ging die Sonne unter.
ich denke recht sehr nach Hamburg und ich weiß nicht, ob ich so lange unterwegs aushalten werde, und so lange in Hamburg, jetzt kommt mir der Winter sehr lang vor, wie ich dich noch sehe und in meinen Armen hatte, konte ich mir nichts denken als dich und dich wieder zu sehen, nun ists schlimm, daß die Länge da ist, ohne daß ich daran gedacht habe, aber ich freue mich doch auch, wenn ich den Ersten Kuß auf deine süßen Lippen drücken kann, den Kuß hebe ich mich auf, daß mir die Lippen brennen – ich kann mir dich, dein ganzes Bildchen, noch so deutlich vorstellen, nur daß du es nicht selbst bist. Pauline schreib mir doch recht bald, ich bitte dich, und wenn du mir schreibst pr. Nauwerk, so laß ihn nur unfrankirt an Richter gehen, so ist es besser, es gibt dir mit N. keine Scheererey und ich habe es mit Enoch zu thun, ich habe Enoch und Elisabeth gebethen auch zu unsrer Hochzeit zu kommen, sie werden bald Hochzeit machen. Montag morgen reise ich wieder von hier denke ich bis Naumburg, das sind 5 Meilen. Gute Nacht mein Dux, ach Gott, ach Gott P(auline) du du – ich wollte ich könte wirklich einen Kuß schreiben, im frühjahr – hm hm – ja ja – so gehts – habe mich recht lieb, so wie ich dich Ewig von Ganzen herzen und von Grund meiner Seele liebe
in Ewigkeit

Dein Otto


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