Philipp Otto Runge
An Reimer
An Reimer
"Ich habe schon sehr lange an dich schreiben wollen hab es aber nicht gethan ich bin auch in Leipzig gewesen und bin so mit meinen Arbeiten auch sehr behaftet gewesen daß ich nicht viel Zeit gehabt habe, ich bitte deine Frau u Schwiegerin recht von Herzen zu grüßen von uns und der Mutter, ich bin nun mit den Kupferstechern in richtigkeit und sie arbeiten auch frisch daran, ich werde zu Johannis, denke ich, mit allen fertig seyn was daran bummelt und bammelt eher aber nicht, ich schicke dir auch das versprochen Lied hierin ), +du kansts etwas für dich behalten ich hab es für mich selbst gemacht und weil ichs nicht laßen kante und niemand hatte den ich meine Noth klagen kante, doch das ist nun mit Gottes Hülfe alles vorbey, und ich denke sehr stark an meiner Abreise welche heut über 3 Wochen wol vor sich gehen wird ),+ +erkundige dich doch unter der Hand ob A.W.Schlegel gegen die Zeit nach Weimar geht mir wäre es nicht sehr lieb mit ihm dort zu seyn. ich bin mit meinen Arbeiten hier fertig und räume jetzt blos noch so auf, ich freue mich aufs Arbeiten in Hamburg. ich habe mit einen Polnischen Grafen Biernacky mit dem ich auch nach Leipzig war, sehr genaue Bekantschaft gemacht und ihm versprechen müßen ihm mit den Jahren einmahl eine Kirche in seinen Landen zu bauen wir werden sehn was dort zu machen ist, es könte wol sehr schön werden, ich werde mahl auf einige Zeit zu ihm reisen müßen+++). Die Minnelieder sind wie ich merke noch nicht da +) , es wird noch wol an der Vorrede liegen, laß dir nur die Zeit nicht zur unrechten Zeit lang werden, und werde auch zur rechten Zeit böse. Tieck ist ein bisgen ein Kind, das ordentlich ein bisgen gezwungen werden kann.
" Wilst Du wol so gut seyn und nachfolgende Bücher an den Baron v. Hardenberg, Leunant bey der Garde und wohnhaft auf der kleinen Schießgasse absenden, die Bezahlung kann gemacht werden wie du wilst entweder an Gerlach oder an Dir gesandt werden 1.Fantasieen über die Kunst 1.Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders 1. Musen Almanach von Schlegel und Tieck 1. Heinrich Ofterdingen 1 un 2ter Theil 1. Genoveva von Tieck 3. Minnelieder. in Hamburg haben sie ) +noch immer sehr viel zu thun so daß ich nur erst einmahl was geschriebenes von dort habe, ich freue mich alle Tage mehr zu meiner Pauline und wir lernen uns auch immer lieber haben, es ist eine schlimme Zeit und woll nötig daß mans weiß was die Liebe ist, es ist auch sonst nirgends Freude zu holen. Ich weiß nicht ob Du von Enoch Richter+ ) + gehört haben wirst daß er sich auch verliebt versprochen und verlobt hat, und hat also auch was beßres zu thun als an mich zu schreiben, ich kann hier auch nicht mehr recht was thun habe in Hamburg viel zu thun unter wegs alle Leute zu besuchen die nicht schreiben, Pauline fängt auch sehr an zu arbeiten, da ists hohe Zeit daß ich fort und wieder komme. Indeß schreib mir doch einmahl wie Dirs geht auch mit Tieck+) ob Du von dorther was weißt, ich hab neulich an seine Frau geschrieben, habe aber noch nix gehört. Grüße Alle Deine lieben und bey Bernhardy sehr Dein getreuer Freund Philipp Otto Runge
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