Philipp Otto Runge
An Daniel
An Daniel
--Es ist hier ein Regierungsrath aus Südpreußen
mit zwey Schwestern und einem Grafen Biernacky, die an mich von Berlin aus empfohlen sind; diese haben
mich die ganze Woche beschäftigt und ich und Perthes und Klinkowström sind täglich mit ihnen ausgefahren.
Der BESSER gefällt mir besonders, ist auch so alt wie ich und ein gutmüthiger Mensch. --Ach, lieber Daniel,
ich möchte dich nur recht bald einmal sehen und sprechen. Die alte Lust in unsrer Seele bleibt doch dieselbe,
daß man sich von ganzer Seele zu Gott sehnt, und so wird man nicht anders, nicht älter; es ist das recht der
ewige Stillstand der Existenz. Vor Ihm sind tausend Jahre wie Ein Tag, und Ein Tag ist wie tausend Jahre,
und die beste und herrlichste Tröstung und Beruhigung ist die Hoffnung eines seligen Todes. --Ich bin diese
Zeit recht altvernünftig und überlegt, es ängstet mich ordentlich, daß ich so einen klaren Ueberblick machen
kann iiber manches, und das denn auch so geht, und daß ich so verständig meine Zeichnungen mit Zirkel
und Lineal betrachten und ausmessen kann, es wird aber auch schon vorübergehen. Auch habe ich dir
sonst immer viel zu sagen gewußt und jetzt weiß ich immer so wenig; ich weiß nicht, woher es kommt; ich will
bald zu euch kommen und selbst zusehen, das wird das beste seyn.
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