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Philipp Otto Runge

An Friedrich Perthes (July 1803)*


An Friedrich Perthes July 1803

An Friedrich Perthes (July 1803)*

* = #128

Lieber Perthes

+Du schreibst mir nicht, weil du erst keine rechte Zeit hast. und mir das auch lieber mündlich aufhebst, was du mir so eigentlich zu sagen hast, du bist aber noch so der Alte und Caroline auch, ich freue mich herzinniglich euch wieder zu sehen, es ist mit den Sprechen doch besser, man nimmt sich hie und da im Schreiben was Uebel und misversteht sich, weil man nicht alles so schreiben wie sagen kann und das Lebendige Angesicht nicht dabey ist.

ich bleibe sonst was ich bin und mögte immer mehr den Bund mit Jesum Christum machen gegen den Teufel und kann nur in der Demuth dazu gelangen, deshalb ich auch drin bleiben will in Ewigkeit, es hat auch so Sein Gutes das reine festhalten, nicht an Menschlicher Meinung sondern an Gottes Wort, daß die so an uns halten auch mit uns in der Demuth bleiben und wie ich immer mehr an Tieck erkenne,

Ich habe dich nicht geschrieben, weil ich eigentlich nichts zu sagen wuste und auch nun kann ich auch nur das alte sagen, daß ich dich mit samt Pauline herzlich lieb habe, dich und Caroline, und daß wir uns gewiß ruhig wieder sehen werden, ohne furcht zu wanken von der alten treue, ich mögte euch mich selbst wol geben, aber es geht nicht so leicht, und dann mögte ich es ganz tuhn und noch dazu selbst dabey seyn, so daß es nun nicht angeht, die Strengigkeit, womit ich mein ganzes Wesen hab zusammen ziehen müssen, um meine Arbeit hervorzubringen, hat manches nicht rechte veranlaßt, in Worten gegen euch, und zu einseitiges in hinsicht der Liebe die wir zu allen Menschen ohne aufhören haben sollen, nun aber ists ordentlich als ströme dieses süße Licht von Gott wieder ohne Aufhören in meine Seele,+

Pauline ist nicht müßig in der Liebe und wird mein je länger je mehr, im lebendigsten Kern ihres Geistes, daß ihre Milde auf mich kömmt und sie fröhlich ist, ohne zu wissen was ihr geschieht, daß sie es versteht, was ich sprechen mögte, ohne es selbst zu sprechen, so arbeite ich, in mir Gottes liebe zu erlangen, und sie in ihr zu reinigen vom Teufel, der unbewust wie das Gute bey ihr wohnt, so daß Sie nur das Gute thut, ohne ausdrücklichen Willen oder Wahl.

+Ich denke mir lieber, daß du jetzt, wie schon da Besser zur Messe reiste, noch mehr unruhig bist über deinen Zustand dort, oder warum bist du betrübt gewesen, aber sieh doch nur fleißig um dich, und denken, daß unser leben köstlich gewesen ist, wenn es Mühe und Arbeit gewesen ist. ich könnte itzt auch unruhig werden, bin es auch etwas, aber ich verliehre gar den Glauben nicht, und es muß doch alles gehen, was mit Gott begonen wird, es läßt sich sehr viel thun+, ich habe mir verschiednes ausgesonnen oder daran gedacht, wo ich jetzt schon und noch mehr auf der Reise an arbeiten werden. Ich theile dir von Hause aus, wie ich hoffe, schon vieles mit und es muß bald zu etwas reellen mit mir in hinsicht der Arbeit kommen, so bald nur erst diese 4 blätter #129 gestochen sind.

+Lieber Perthes, ich bitte dich, Daniel meinetwegen so sehr wie möglich zu beruhigen, thue es nur erst so, ich hoffe dir wils Gott, zeigen zu können daß du es mit Grund gethan hast.+

es ist hier sehr heiß, ich kann es nicht recht vertragen, mir ist sehr matt und dumm, Grüße Caroline von mir und Pauline und schreib uns mahl nach wolgast, den 13. hoffen wir dort zu seyn, ich wolte auch gleich mit zu euch, aber das wolte man so bisweilen nicht anders, es muß noch vorher heftig gearbeitet werden, ich und Pauline halten uns den Zügel so kurz wie möglich und gehen wir bisweilen ein bischen über die Schnur, so sagen wir es geht nicht so, wissen wir wieder Bescheid.

Besser und Lottchen grüße herzlich, ich küsse euch alle und hab euch sehr lieb. auch in Wandsbeck grüßet recht sehr, dein

Getreuer Otto

128 | Das Briefdatum ist von Daniel mit Bleistift eingetragen.

129 | Die Tageszeiten.







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