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Philipp Otto Runge

An Daniel


2,227 # 24. Juli 1803

An Daniel


-Wilhelm Schlegel hat mir kürzlich den Antrag machen lassen,
ihm eine Vignette oder Zeichnung, oder mehrere, wie die zu Tieck's Minneliedern zu machen. Das will ich
nun nicht thun. Drey Gedichte hat er mir als Probe geben lassen, davon will ich dir eines, weil es kurz und gut
ist, mittheilen:


"Jacob war sieben Jahr' als Hirt verdungen
Bey Laban, Rahel's Vater; doch sein Dienen
Galt nicht den Vater, sollt' ihm bloß verdienen
Die Ländlichschöne, der er nachgerungen.
Das Zögern mancher Tage ward bezwungen
Durch Hoffnung eines Tag's; da der erschienen,
Brach schlau den Bund der Vater zwischen ihnen:
Für Rahel ward ihm Lea aufgedrungen.
Der traur'ge Hirt sah, was ihm widerfahre,
Wie List ihm seine Hirtin nicht gewähre,
Als ob sie immer unverdient doch bliebe;
Begann zu dienen andre sieben Jahre,
Und sprach: Ich diente mehr, wenn nur nicht wäre,
Zu kurz das Leben für so große Liebe." --


Heute über 14 Tage geht die Reise los. Mir wird jetzt sehr leicht, lieber Daniel Ach, du Lieber ! ich will nur
immer dabey bleiben, zu tichten und zu trachten, um meine Seele auszusprechen. Zulezt haben mich doch
viele Menschen lieb: das ist's doch, was uns immer mehr schon unser Streben erfüllt. Ich füge mich am Ende
auch darin, wenn ich dich so bald nicht sehe, und denke, es muß wohl nicht seyn. So ist's auch damit: Du
schriebst neulich, es sey doch immerhin merkwürdig, daß ich am Ende auch darauf käme, daß viel Geld
notliwendig sey; ich will dir nun sagen, wie ich's damit meyne. Nothwendig wär' es wohl, um meine Sachen
auszuführen, und da denke ich:


Wenn's der liebe Gott will, daß sie sollen ausgeführt werden, so wird auch wohl jemand komen, der viel Geld
hat, es giebt ja doch dann und wann noch so edle Gemüther in der Welt. So lange das aber nicht ist, denke
ich, sind's die Sachen immer noch nicht wertli, und ich muß noch was Besseres machen. -So wie das
auch nur Thorheit ist, wenn einer von Verkennen und Mißverstehen sprechen will. Die Liebe,Gottes wird von
niemand verkannt, als vom Teufel; und so ist auch so ein Mensch nur nicht recht und genug mit der Liebe
herausgekommen, sonst würde er wohl verstanden seyn: denn wir sollen vollkommen seyn, wie unser Vater
im Himmel vollkommen ist. Zwar können wir nie Gott gleich seyn, doch sind darum unsre Werke noch nicht
gleich vom T . Hr. X. oder wie er sich denn schreibt, dein Handlungsfreund hier, reiset nach Hamburg. Wenn
ich dich in Wolgast sehe, sieht der dich wenigstens nicht, und umgekehrt; ich wünschte dir, du sähest mich,
denn ich sehe doch so grimmig nicht aus, wie der ein Gesicht hat, wollte auch nicht erschrecken, wie voriges
Jahr in Halle.Grüße Alle, den Gevatter Speckter nicht zu vergessen. Was macht denn der 0tto ?[>*] Wird er



noch geholfen, oder hilft er schon ? Wenn mit der Zeit aus diesem Adolf ein Otthelf werden will, so sage ich
jetzt: Helf Gott und er würde mir dann eine gute Hülfe. Und sage Speckter'n: er könne sich darauf verlassen,
daß dann auch der Otto ihm hilft.


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